WICHTIGER RECHTLICHER HINWEIS: Für die Angaben auf dieser Website besteht Haftungsausschluss und Urheberrechtsschutz. esdeenfritpt

[ Inhalt ]

Das Kulturerbe als Entwicklungsfaktor

 

"Von Menschen und Windrädern"

Emmanouil Yalitis
[LEADER Lassithi, Griechenland]

 

Seitdem die Venitianer im XV.
Jahrhundert Kreta besetzt hatten,
ist das Windrad das Symbol der Hochebene
von Lassithi (860 m). Jedes kleinste
Fleckchen Ackerland hat sein eigenes
Windrad, auf den 24 km2 Gesamtfläche
des Gebiets wurden bis zu 14 000 Windräder
gezählt. Sie dienten im wesentlichen zur
Bewässerung der Kartoffelfelder, die in
der Hochebene angelegt worden waren.

 

Aber seit den 70er Jahren führte die Landflucht der Jugendlichen und der Rückgang der Landwirtschaft zum Verschwinden eines typischen Bestandteils der Landschaft: Aufgrund fehlender Wartung wurde ein immer größerer Teil dieser hübschen weißen Windräder dem Verfall überlassen.

In Anbetracht der Gefahr, diese einzigartige Volksarchitektur zu verlieren, beschlossen lokale Verantwortliche, sie zu renovieren und als Symbol für die Gebietsidentität und als Ansatz für die integrierte Entwicklung der Hochebene von Lassithi zu verwenden.

Die lokalen Gebietskörperschaften, die landwirtschaftlichen Genossenschaften, die Genossenschaft der Frauen und die kulturellen Vereinigungen gründeten somit eine Entwicklungsgesellschaft, die Mitglied der LEADER I-Gruppe wurde. Anschließend begann ein langer Prozeß zur Sensibilisierung der Bevölkerung.

Sobald die Mehrheit der Bewohner der Hochebene den Gedanken der Restaurierung akzeptiert hatten, begann die Aktionsgruppe mit einem ersten Lehrgang: 20 Personen, mehrheitlich Jugendliche, erlernten mit Hilfe von häufig älteren Handwerkern, die als einzige noch über die nötigen Fachkenntnisse verfügten, die Techniken zum Bau und zur Restaurierung der alten Windräder. Die polytechnische Hochschule Athen beteiligte sich an diesem Projekt, und jeder Teilnehmer an diesem Kursus erhielt die Aufgabe, ein Windrad zu restaurieren.

Anschließend wurde eine Bestandsaufnahme der noch vorhandenen Windräder vorgenommen und 300 weitere wurden für eine Restaurierung im großen Maßstab ausgewählt. Diese Restaurierung fand zwischen April und Dezember 1995 statt und kam der ganzen Region zugute: Die Jugendlichen wurden für die Arbeiten eingestellt, die Handwerker und die kleinen lokalen Unternehmen produzierten die notwendigen Materialien und Ersatzteile für die Wiederherstellung der Windräder.

Dieses Projekt ist Bestandteil eines umfassenden Programms zur Aufwertung der historisch gewachsenen Gegebenheiten des Gebiets, zu dem ebenfalls die Einrichtung eines Heimatmuseums (1995), die Renovierung eines Klosters und seine Umnutzung als Museum für Naturgeschichte, die Gründung kleiner Restaurants und Touristenunterkünfte usw. gehören.

Alle Aktionen zielen darauf ab, durchreisende Touristenströme verstärkt im Gebiet zu halten, denn die rund vierzig Kilometer vom Meer entfernte Hochebene zieht jährlich 180 000 bis 200 000 Kurzbesucher an.

Für die Restauierung der Windräder waren Investitionen in Höhe von 279 583 ECU notwendig (20 000 ECU für den Lehrgang, 100 000 ECU für die Löhne und 159 583 ECU für lokaltypische Materialien). Die wirtschaftliche Lage dieser schwer zugänglichen Hochebene bleibt kritisch, aber die Restaurierung der Windräder, die die Landschaft verschönern, die Nutzung des lokalen Know-Hows und die beträchtliche Erhöhung der Aufnahmekapazitäten tragen dazu bei, bestehende Beschäftigungsverhältnisse zu sichern, neue Arbeitsplätze zu schaffen und haben die lokale Bevölkerung davon überzeugt, daß ihre Region noch Zukunft hat.

 

LEADER Magazine Nr.17 - Frühling, 1998


European Flag

Europäische
Kommission

Generaldirektion
Landwirtschaft