Dienstleistungsangebote für die Bevölkerung
Zur Verbesserung von Nachbarschaftsdienstleistungen im ländlichen Raum: Das deutsche Projekt „Nachbarschaftsladen 2000"
Art des Dokumentes: Artikel
Schlüsselwörter: Schulung
Quelle: LEADER Magazin Nr. 9
Erscheinungsdatum: Sommer 1995
Das vom Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau eingeleitete Projekt „Nachbarschaftsladen 2000" zielt auf die Gründung ländlicher Geschäfte ab, in denen verschiedene Dienstleistungen unter einem Dach angeboten werden: Lebensmittel, Postamt, Fernversand, Feinkost usw.
Seit 1992 fördert das Ministerium 12 Projekte: 8 dieser Projekte befinden sich in den neuen Ländern, 2 werden von lokalen Vereinen betreut und 10 davon sind in privater Hand. Mit Ermittlung, Einleitung und Begleitung dieser Projekte wurde ein unabhängiges Beratungsbüro beauftragt (*).
Auf diese Weise wurden bereits bestehende Geschäfte in „ländliche Nachbarschaftsläden" umgewandelt. Die Räume und Einrichtungen wurden so umgestaltet, daß neue Dienstleistungsangebote einbezogen werden konnten.
Die Projekte wurden nach folgenden Kriterien ausgewählt:
- Das Geschäft befindet sich in einer Kommune mit weniger als 1 000 Einwohnern;
- im Umkreis von 5 Kilometern befindet sich kein weiteres Geschäft;
- die Verkaufsfläche beträgt mindestens 80m2, um das Angebot an Waren und Dienstleistungen attraktiv gestalten zu können;
- die Umgestaltung des Geschäfts erfordert nur wenig zusätzliche Investitionen;
- der Besitzer oder Inhaber ist besonders motiviert.
Um den Erfolg dieses Ansatzes zu gewährleisten, muß an erster Stelle das überholte Bild des traditionellen kleinen „Tante-Emma-Ladens" verschwinden: neue offensive Vermarktungsmethoden und eine bessere Finanzverwaltung sind einzuführen, um die Gewinnspannen zu erhöhen.
Eine erste Bilanz dieses Projekts zeigt, daß solche Geschäfte privat und ohne ständige finanzielle Unterstützung betrieben werden können, wenn:
- die Investitionen relativ niedrig bleiben (oder durch öffentliche Mittel ergänzt werden);
- der Großhandel bereit ist, solche Läden zu wettbewerbsfähigen Preisen zu beliefern;
- verschiedene Institutionen und Unternehmen bereit sind, dem Inhaber ihre Dienstleistungen anzuvertrauen (dies gilt insbesondere für die Post und den Fernversand);
- der Einzelhandelskaufmann unternehmerisch motiviert ist.
Erste Investitionen, um das Geschäft attraktiv zu gestalten, sind nur mit öffentlichen Mitteln möglich. Aufgrund der sozialen Auswirkungen der Investitionen sind die Zuschüsse (im allgemeinen 30 000 DM oder 13 000 ECU) gerechtfertigt: Durch die Investition wird die Lebensqualität in einem Gebiet verbessert, in dem Privatinitiativen allein nicht ausreichen würden.
Für den Einzelhandelskaufmann werden Weiterbildungsmaßnahmen notwendig: Die wichtigsten Bereiche sind die Verwaltung neuer Dienstleistungen, Buchhaltung und Vermarktung. Das Know-how - Austausch zwischen mehreren Projektverantwortlichen ergänzt die Schulungsmaßnahme; er hat sich als besonders bereichernd erwiesen.
Der Großhandel ist dann bereit, solche Geschäfte zu beliefern, wenn er Vertrauen in die Dauer des Unternehmens haben kann. Pilotprojekte haben einen Demonstrationseffekt erbracht, der zur Vertrauensbildung führte.
Die Lebensfähigkeit dieser Geschäfte kann ebenfalls durch die Gründung von Vereinen verbessert werden, in denen der Kaufmann Mitglied wird. So können gemeinsame Bestellungen und Verhandlungen mit dem Großhandel erleichtert und gleichzeitig im Management größenbedingte Einsparungen vorgenommen werden.
Dr. Holger Platz
Planco Consulting GmbH
Büro „Nachbarschaftsladen 2000"
(*) Weitere Auskünfte: Planco Consulting GmbH,
Lilienstr. 44, D-45133 Essen
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