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AUSWAHL DER STICHPROBENBETRIEBE Post an



Auswahl der Stichprobenbetriebe aus dem INLB-Beobachtungsfeld


Im vorliegenden Kapitel werden das Auswahlverfahren der landwirtschaftlichen Betriebe sowie die Methoden beschrieben, die zur Gewährleistung eines möglichst hohen Repräsentativitätsgrades angewendet werden.

Eigenständige Auswahl durch die Mitgliedstaaten Top


Vor der Bildung des INLB führten bereits mehrere Mitgliedstaaten landwirtschaftliche Erhebungen auf der Grundlage von Betriebsbuchführungen durch. Einige Erhebungen beruhten auf einer selektiven Stichprobe landwirtschaftlicher Betriebe - nicht auf der Gesamtheit der landwirtschaftlichen Betriebe. Zur Auswahl der betreffenden Betriebe hatten diese Mitgliedstaaten eigene Auswahlpläne geschaffen.

Die meisten Verbindungsstellen der Mitgliedstaaten führen weiterhin nationale Erhebungen durch und haben daher ihre eigenen Auswahlpläne beibehalten. Die gegenwärtige Praxis sieht so aus, daß die Verbindungsstellen für die Erhebung der Europäischen Union ihre eigenen Auswahlpläne entwerfen. Die Pläne werden sodann dem Gemeinschaftsausschuß des Informationsnetzes landwirtschaftlicher Buchführungen zur Billigung vorgelegt. Ihr technischer Aufbau ist von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat verschieden.

Schichtung Top


Zweck der Schichtung

Innerhalb des INLB-Beobachtungsfeldes weisen die landwirtschaftlichen Betriebe große Unterschiede auf. Einige landwirtschaftliche Betriebe sind (in bezug auf ihre wirtschaftliche Betriebsgröße) sehr groß, andere können sehr klein sein. Einige Betriebe konzentrieren sich auf die pflanzliche Erzeugung, andere auf Tierhaltung; wieder andere betreiben Mischformen, das heißt, sowohl pflanzliche als auch tierische Erzeugung. Allein aufgrund dieser zwei Kriterien - wirtschaftliche Betriebsgröße und betriebswirtschaftliche Ausrichtung - ist das Beobachtungsfeld der landwirtschaftlichen Betriebe in der Europäischen Union sehr heterogen.

Um sicherzustellen, daß die Stichprobenbetriebe diese Heterogenität angemessen widerspiegeln, nehmen die Verbindungsstellen vor der Auswahl der Stichprobenbetriebe eine Schichtung des Beobachtungsfeldes vor. Anderenfalls wäre ein größeres Risiko gegeben, daß bestimmte Betriebskategorien (z. B. große Milchviehbetriebe in dem einem Gebiet oder kleine Obstbetriebe in einem anderen Gebiet) in der Stichprobe nicht angemessen (oder überhaupt nicht) repräsentiert werden.

Die Schichtung ist eine statistische Methode, die zur Erhöhung der Stichprobeneffizienz erforderlich ist (d. h. zur Minimierung der Anzahl der Betriebe, die erforderlich sind, um die Verschiedenheit der Betriebe im Beobachtungsfeld zu repräsentieren). Die Kommission macht von dieser Methode häufig Gebrauch und stützt sich, wie in den folgenden Abschnitten beschrieben, bei der Schichtung auf die drei Kriterien Gebiet, wirtschaftliche Betriebsgröße und betriebswirtschaftliche Ausrichtung.

Klassifizierung

Zu Zwecken des INLB ist die Europäische Union in INLB-Gebiete unterteilt. Alle landwirtschaftlichen Betriebe im INLB-Beobachtungsfeld sind nach wirtschaftlicher Betriebsgröße und betriebswirtschaftlicher Ausrichtung eingeteilt.

Für die verschiedenen Stellen auf der Ebene der Europäischen Union ist eine detaillierte Klassifizierung vorgenommen worden. Sie ist breit genug gefaßt, um die vielen Formen der betriebswirtschaftlichen Ausrichtung in der Europäischen Union abzudecken. Diese Klassifizierung ist in der Verordnung (EG) Nr. 1242/2008 der Kommission vom 8. Dezember 2008 beschrieben.

Die Klassifizierung nennt die wichtigsten betriebswirtschaftlichen Ausrichtungen, die dann weiter aufgegliedert sind. Wie werden die landwirtschaftlichen Betriebe einer bestimmten Ausrichtung zugeordnet oder wie sind die verschiedenen betriebswirtschaftlichen Ausrichtungen definiert? Die betriebswirtschaftlichen Ausrichtungen werden nach der relativen Bedeutung der verschiedenen Betriebszweige definiert. Die relative Bedeutung wird gemessen als Anteil des SO der jeweiligen Betriebszweige am gesamten SO des Betriebes (s. Klassifizierungsbeispiel eines landwirtschaftlichen Betriebes).

Zur Berechnung der Standardergebnisse legt die Kommission Gruppen von betriebswirtschaftlichen Ausrichtungen zugrunde. Weitere Informationen über die Art und Weise, auf der diese Standardergebnisse berechnet und veröffentlicht werden, finden sich im Kapitel Diffusion.

Beispiel für die Klassifizierung eines landwirtschaftlichen Betriebes nach dem gemeinschaftlichen Klassifizierungssystem

Annahme: Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit 50 Zuchtsauen und 5 Milchkühe

Beschreibung der beiden möglichen betriebswirtschaftlichen Hauptausrichtungen :

51Spezialisierte Schweinebetriebe
74Viehhaltungsverbundbetriebe - Teilausrichtung Veredlung


Zu welcher Art der betriebswirtschaftlichen Hauptausrichtung gehört dieser Betrieb?

BetriebszweigSOGröße des BetriebszweigsSO des BetriebszweigsSO-Anteil des Betriebszweigs an SO insgesamt
Zuchtsauen1 00050 Zuchtsauen50 00083.3%
Milchviehbetriebe2 0005 Milchkühe10 00016.7%
  SO insgesamt60 000100%


Die Definition der zwei wichtigsten betriebswirtschaftlichen Hauptausrichtungen lautet:

51Spezialisierte SchweinebetriebeSchweinebetriebe > 2/3 des SO insgesamt
74Viehhaltungsverbundbetriebe - Teilausrichtung VeredlungWeidevieh und Futterpflanzen ≤ Veredlung des SO insgesamt


Da der Beitrag der Zuchtsauen zum SO insgesamt des Betriebes > 2/3 ausmacht, ist dieser Betrieb der betriebswirtschaftlichen Hauptausrichtung "Spezialisierte Schweinebetriebe" zuzuordnen.

Die drei betriebswirtschaftlichen Einzelausrichtungen werden wie folgt definiert:

511Spezialisierte SchweineaufzuchtbetriebeZuchtsauen > 2/3
512Spezialisierte SchweinemastbetriebeFerkel und sonstige Schweine > 2/3
513Schweineaufzucht und mastverbundbetriebeBetriebe der Klasse 51, außer denen der Klassen 511 und 512


Da auf die Zuchtsauen insgesamt > 2/3 des SO entfallen, ist dieser Betrieb der betriebswirtschaftlichen Einzelausrichtung "Spezialisierte Schweineaufzuchtbetriebe" zuzuordnen.

Darstellung der Grundgesamtheit und des Beobachtungsfeldes als Zellenmatrix Top


Die Dreiwegschichtung der Untersuchungsgesamtheit erlaubt deren Darstellung als dreidimensionale Zellenmatrix. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe pro Zelle stützt sich auf die landwirtschaftliche Betriebsstrukturerhebung von Eurostat. Diese Erhebung verwendet die gleiche Klassifizierung wie die INLB-Erhebung.

Jede Zelle entspricht einer spezifischen Betriebskategorie. Bestimmte Zellen repräsentieren eine große Anzahl von landwirtschaftlichen Betrieben: So gibt es z. B. in zwei Zellen 18 000 Betriebe.

Die Kommission und die Verbindungsstellen wählen die Stichprobenbetriebe nicht aus dem Beobachtungsfeld als Ganzem aus, sondern aus den Zellen des Beobachtungsfeldes. Stichprobenbetriebe werden daher aus jeder Zelle ausgewählt - auf diese Weise sind in der Stichprobe grundsätzlich alle Zellen vertreten. Die INLB-Stichprobenbetriebe spiegeln daher die Heterogenität im Beobachtungsfeld wider.

Jahr der landwirtschaftlichen Betriebsstrukturerhebung (LBS)
Mitgliedstaaten Betrieben LBS INLB-Erfassungsbereich des Beobachtungsfeldes
Gesamtmenge INLB Feld Betriebe % SO % LF % JAE % SO
Belgien 42850 31010 72.0 98.0 95.0 87.0 2007
Bulgaria 370490 115390 31.0 91.0 96.0 51.0 2007
Tschechische Republik 22860 14820 65.0 99.0 98.0 93.0 2007
Dänemark 42100 29340 70.0 99.0 96.0 89.0 2007
Deutschland (*) 299130 196520 66.0 97.0 93.0 87.0 2007
Estland 19610 8080 41.0 98.0 89.0 76.0 2007
Irland 139890 105170 75.0 98.0 92.0 84.0 2007
Griechenland (*) 723010 341180 47.0 90.0 85.0 79.0 2007
Spanien 989800 597970 60.0 98.0 92.0 84.0 2007
Frankreich 516100 317360 61.0 97.0 91.0 85.0 2007
Italien 1620880 838740 52.0 97.0 91.0 82.0 2007
Zypern 38860 10530 27.0 92.0 76.0 70.0 2007
Lettland 83390 21940 26.0 91.0 73.0 52.0 2007
Litauen 199910 53440 27.0 86.0 78.0 54.0 2007
Luxemburg 2200 1610 73.0 98.0 97.0 90.0 2007
Ungarn 576810 107250 19.0 90.0 93.0 46.0 2007
Malta 12530 3080 25.0 93.0 56.0 54.0 2007
Niederlande (*) 72320 52220 72.0 99.0 93.0 90.0 2007
Österreich 150170 95150 63.0 97.0 86.0 85.0 2007
Polen 1506620 730880 49.0 93.0 85.0 68.0 2007
Portugal 305270 114170 37.0 93.0 89.0 53.0 2007
Rumänien 3859040 1042570 27.0 83.0 78.0 59.0 2007
Slowenian 74650 41300 55.0 92.0 85.0 74.0 2007
Slowakei 24460 4260 17.0 96.0 95.0 76.0 2007
Finnland 63870 42630 67.0 97.0 89.0 90.0 2007
Schweden 71090 29050 41.0 94.0 84.0 72.0 2007
Vereinigtes Königreich 186660 94640 51.0 96.0 82.0 75.0 2007


Bestimmung der optimalen Stichprobengröße Top


Die Auswahlsätze sind von Zelle zu Zelle verschieden. In einigen Mitgliedstaaten verfügen die Verbindungsstellen über genügend Daten über die Variabilität der Betriebe innerhalb des Beobachtungsfeldes und können deshalb optimale Auswahlsätze errechnen. In anderen Fällen, wo dies nicht möglich ist, werden die Auswahlsätze gemäß der Anzahl der Betriebe in der betreffenden Zelle festgesetzt. Nach der Erstellung des Auswahlplans können die Betriebe von einem Feld auf ein anderes übertragen werden, wenn sich ihre wirtschaftliche Größe oder die betriebswirtschaftliche Ausrichtung geändert hat. Wie nachstehend beschrieben, beeinflussen diese und andere ähnliche Faktoren den Auswahlsatz.

Zufallsprinzip der Stichprobe Top


Im Idealfall werden die Betriebe aus dem Beobachtungsfeld zufällig ausgewählt. Eine vollständige Zufallsauswahl kann jedoch durch verschiedene Faktoren nicht erzielt werden:

  1. Verfügbarkeit einer landwirtschaftlichen Buchführung. Soll ein INLB-Betriebsbogen der Europäischen Union ausgefüllt werden, so muß eine geeignete Betriebsbuchführung (oder ähnliche finanzielle Informationen, wie z. B. Quittungen, Rechnungen usw.) zur Verfügung stehen. Einige Landwirte haben die notwendigen Informationen nicht greifbar, so daß in diesen Fällen der Betriebsbogen nicht ausgefüllt werden kann. In mehreren Ländern helfen die Verbindungsstellen den Landwirten bei der Buchführung, wenn diese sonst nicht zustande käme.

    Insgesamt gesehen nimmt die Anzahl der buchführenden Betriebe allmählich zu. Bedingt ist dies u.a. durch die Bestimmung gemäß Verordnung (EWG) Nr. 797/85 des Rates vom 12. April 1985 (über die Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe), wonach Landwirte Investitionsbeihilfen nur dann erhalten, wenn sie eine landwirtschaftliche Buchführung aufweisen.

  2. Freiwillige Teilnahme. Die Teilnahme der Landwirte erfolgt auf freiwilliger Basis. Wenn für die Stichprobe ausgewählte Betriebe nicht mehr mitmachen möchten, werden die Betriebe durch Betriebe aus derselben Zelle im Beobachtungsfeld ersetzt.
Die Stichprobe wird daher zufällig aus der Untergruppe der im Beobachtungsfeld vorhandenen Betriebe gezogen, die die zwei obengenannten Bedingungen erfüllen.

Auswahlpläne Top


Vor dem Beginn eines jeden Rechnungszeitraums sind die Verbindungsstellen verpflichtet, einen Auswahlplan gemäß Artikel 6 der Verordnung 79/65/EWG des Rates vom 15. Juni 1965 und den nachfolgenden Änderungen zu erstellen. Probleme bei der Umsetzung können darin bestehen, daß aus bestimmten Zellen nicht genügend Landwirte teilnehmen wollen, und daß die tatsächliche Stichprobe vielleicht nicht den beabsichtigten Umfang und die beabsichtigte Verteilung erreicht. In den Mitgliedstaaten kommen verschiedene Auswahlverfahren zur Anwendung.

Umfang der INLB-Stichprobe Top


Gründe, warum der beabsichtigte Stichprobenumfang in der Praxis vielleicht nicht erreicht wird

Es gibt verschiedene Gründe, warum der beabsichtigte Stichprobenumfang vielleicht nicht erreicht oder aber überschritten wird. So kann es schwierig sein, in einer bestimmten Zelle genügend Landwirte zu finden, die zur Teilnahme bereit sind und über die notwendigen Buchführungsunterlagen verfügen. Eine weitere Erklärung liegt gegebenenfalls darin, daß ein teilnehmender Landwirt den landwirtschaftlichen Betrieb vor Ende des Rechnungsjahres aufgibt. Es kann auch sein, daß der INLB-Betriebsbogen der Europäischen Union unrichtig ausgefüllt wurde und nicht korrigiert werden kann, bei der Kontrolle also ausgesondert wird (s. Kapitel über die Qualität von Daten).

Tatsächlicher Stichprobenumfang in den letzten Jahren

Der Umfang der INLB-Stichprobe und das Durchschnittsgewicht eines Stichprobenbetriebs sind, wie nachstehend ersichtlich, in den Mitgliedstaaten verschieden.

Rechnungsjahre :      LBS : 2010      SO : 2007
Land Tatsächlicher Stichprobenumfang Anzahl der im Beobachtungsfeld vertretenen Betriebe Durchschnittsgewicht eines Stichprobenbetriebes
Belgien 1201 30620 25
Bulgaria 2298 115277 50
Tschechische Republik 1429 14820 10
Dänemark 2055 28917 14
Deutschland (*) 8988 205877 23
Estland 661 8012 12
Irland 1048 103821 99
Griechenland (*) 3456 332902 96
Spanien 8229 514873 63
Frankreich 7444 291433 39
Italien 10731 781221 73
Zypern 432 10220 24
Lettland 1000 21968 22
Litauen 1061 53397 50
Luxemburg 449 1548 3
Ungarn 1919 105337 55
Malta 508 2959 6
Niederlande (*) 1468 51140 35
Österreich 2088 93251 45
Polen 11194 727750 65
Portugal 2258 110588 49
Rumänien 5634 1042281 185
Slowenian 956 40961 43
Slowakei 521 4270 8
Finnland 926 39173 42
Schweden 1050 27365 26
Vereinigtes Königreich 2738 92361 34




Letzte Aktualisierung: 17 April 2013 |  Seitenanfang  |  Zu diesen Seiten  |  Hilfe