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Forest

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Forstwirtschaft

Hauptmerkmale der Forstwirtschaft in der EU

Wälder in der EU sind durch eine breite Vielfalt klimatischer, geographischer und ökologischer Bedingungen gekennzeichnet. Die Waldtypen umfassen die temperierte und boreale Zone ebenso wie u. a. den Mittelmeerraum, die Alpen oder die Tiefebene. Auch die sozio-ökonomischen Verhältnisse entscheiden sich sehr zwischen Ländern und Regionen.

Wälder und ihnen gleichgestellte Flächen bedecken in der EU mehr als 40 % der Gesamtfläche. Die Ausdehnung der Forstgebiete schreitet in Europa schneller voran als der Verlust von Waldflächen durch Infrastruktur und städtische Nutzungen. Dieser Trend, der in den 50er Jahren begonnen hat (in einigen Ländern früher), ist auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen. Einige Länder haben ihre Waldflächen durch Neuanpflanzungsprogramme für stillgelegte landwirtschaftliche Nutzflächen ausgedehnt. Diese positive Entwicklung hebt die EU von vielen anderen Regionen dieser Welt ab, in denen die Entwaldung weiterhin zu einem Rückgang der Forstressourcen führt.

Figures:

 

Waldbesitzverhältnisse

Vor dem Beitritt der neuen Mitgliedsstaaten waren 35% der Wälder und sonstigen mit Bäumen bestockten Flächen innerhalb der EU in öffentlichem, und rund 65% im privaten Besitz. Mit dem Beitritt hat sich dieses Verhältnis auf 40% (öffentlich) zu 60% (privat) verschoben.

Mit der Veränderung der Waldbesitzstruktur geht gleichzeitig ein Wandel hinsichtlich der Berufstätigkeiten und Lebensstile der privaten Waldbesitzer einher. Mit der wachsenden Übernahme urbaner Lebensstile werden die Waldbesitzer in einigen Regionen zunehmend unabhängiger von Haupteinnahmequellen aus dem Primärsektor, wie der Forstwirtschaft.

Die meisten der schätzungsweise 12 Millionen Waldbesitzer in der EU 15, die den Privatwald bewirtschaften, sind Kleinprivatwaldbesitzer. Mit der Erweiterung hat die Anzahl der privaten Waldbesitze um ca. 25% zugenommen, die Anzahl der Waldbesitzer ist damit um schätzungsweise 3 Millionen gestiegen. Im Rahmen der Rückgabe von privatem Grundeigentum in den neuen Mitgliedsländern wurde privater Waldbesitz geschaffen. Insgesamt zeichnet sich die Situation durch große Vielfalt aus: So ist das Wissen und das Verständnis für die Waldbewirtschaftung bei den Waldbesitzern ebenso unterschiedlich wie die einzelne Besitzgröße oder die Erwartungen an und das Interesse für die Waldbewirtschaftung.

Die durchschnittliche Besitzgröße im öffentlichen Wald liegt bei über 1.000 ha, während sie im Privatwald 13 ha beträgt. Allerdings gibt es beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Die überwiegende Mehrheit der Waldbesitzer hat weniger als 3 ha. Hierin unterscheidet sich der Waldbesitz in der EU von anderen Ländern mit ausgedehnten Waldflächen, in denen häufig öffentlicher Waldbesitz vorherrscht oder sogar die einzige Waldbesitzart darstellt.

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Die wirtschaftliche Bedeutung des Forstsektors

Forstwirtschaft, forst-basierte und zugehörige Industrien schließen die folgenden Industriesektoren mit ein: Holzbearbeitung, Kork und forst-basierte Materialien; Zellstoff, Papier und Pappeherstellung; Papier- und Pappeverarbeitung sowie die Druckindustrie. Der Forstsektor beschäftigt rund 2,7 Millionen Menschen in der EU-15 und erwirtschaftet einen jährlichen Produktionswert von rund 335 Milliarden EUR (2001). In den 10 neuen Mitgliedsstaaten stellen die Forstwirtschaft, die forst-basierten und zugehörigen Industrien rund 650.000 Arbeitsplätze zur Verfügung, mit einem jährlichen Produktionswert von 20,6 Milliarden EUR (2001).

Die soziale und wirtschaftliche Bedeutung der Forstwirtschaft in ländlichen Räumen lässt sich schwer beurteilen und wird eher unterschätzt, da Forstwirtschaft häufig von Kleinunternehmen und Einzelpersonen betrieben wird, deren Tätigkeiten üblicherweise eng gekoppelt sind an diejenigen anderer Wirtschaftsbereiche.

Neben Holz liefern Wälder noch viele andere Produkte, z.B. Kork, Harze, Heilpflanzen, Pilze und Beeren. Kork ist eines der wichtigsten Nicht- Holz Produkte des Waldes in der EU. Die rund 1,7 Millionen ha Korkeichenwälder liefern 80 % der Weltproduktion an Kork. 100% der weltweiten Korkweiterverarbeitung wird in der EU durchgeführt.

Die EU ist einer der größten Handelspartner und Verbraucher für Forstprodukte weltweit, mit einer insgesamt positiven Handelsbilanz. Umgekehrt kann die Versorgung mit holz-basierten Rohmaterialien ausreichender Qualität über Importe preisgünstig gewährleistet werden und die EU ist bei diesen Produkten Nettoimporteur. Die Importe umfassen 2 Haupttypen: Rundholz, meist aus der Russischen Föderation (in etwa gleiche Mengen an Nadel- und Laubholz) und osteuropäischen Ländern (sowohl Laub- als auch Nadelholz), sowie Holzzellstoff aus Nord- und Südamerika und anderen Ländern, die hohe forstliche Wuchsraten und niedrige Holzproduktions- und verarbeitungskosten bieten. Dagegen weist die EU für bestimmte Klassen holzverarbeiteter Produkte eine besonders hohe Selbstversorgungsrate auf. Dies trifft besonders für die Produkte mit höherer Wertschöpfung (z.B. Qualitätspapiere und Holzpaneele) zu. Folglich ist die EU ein bedeutender Exporteur solcher Produkte.

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Die multifunktionale Rolle des Waldes

Neben Forstprodukten bieten Wälder auch viele weitere Leistungen. Sie liefern wichtige Umweltfunktionen, wie die Erhaltung des Naturerbes und den Schutz von Wasser und Boden. Sie stellen auch zahlreiche Sozial- und Erholungsleistungen zur Verfügung, denen viele Menschen traditionell eng verbunden sind. Forstwirtschaft gewährleistet diese vielfältigen Funktionen und sorgt für die Pflege landschaftlicher und kultureller Werte und weiterer Sozial- und Umweltleistungen, wie z.B. das traditionelle Sammeln von Pilzen und Beeren, Jagd und Tourismus.

Das Biotop Wald birgt auch weiterhin die größte Artenzahl auf dem Kontinent. (z.B. weist die mediterrane biogeographische Region allein 30.000 Gefäßpflanzen auf, von denen mehr als 10.000 ausschließlich regional vorkommen). Dies zeigt die biologische Bedeutung und Lebenskraft der Wälder. Weniger als 1% der Wälder in der EU sind bisher vom Menschen ungestört, mehr als 2/3 aller Wälder werden als naturnah eingestuft, während die Hälfte der Waldfläche mit Mischwäldern bestockt ist. Etwa 12% der Waldfläche ist unter Schutz gestellt. Die Bewirtschaftung dieser Flächen zielt hauptsächlich auf Boden, Wasser oder Erhaltung der Biodiversität und dem Schutz von Infrastruktureinrichtungen ab.

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Schutz des Waldes als Daueraufgabe

Die Aufnahme der Waldressourcen der Temperierten und Borealen Zone 2000 [The Temperate & Boreal Forest Resources Assessment 2000 (UNECE/FAO)] hat biotische Faktoren und Beweidung als die Hauptursachen für Waldschäden innerhalb der EU identifiziert. Weitere wesentliche belastende Faktoren sind Luftverschmutzung, Stürme und Waldbrände. Obwohl die EU – Gesetzgebung innerhalb der letzten 20 Jahre zu einer wesentlichen Verbesserung der Luftqualität geführt hat, ist die Ablagerung von Luftschadstoffen für die Wälder Europas noch immer besorgniserregend. Die Mehrzahl der Standorte mit den höchsten Säureeinträgen (die Stickstoff und Sulfat mit einschließen) befindet sich jetzt in den Wäldern Zentraleuropas. Etliche starke Stürme haben vor kurzem schwere Schäden an mehr als 1 Million ha Wälder angerichtet, so geschehen Ende 1999 in Frankreich und Deutschland, mit einem betroffenem Holzvolumen, dass dem dreifachen normalen Jahreseinschlag entspricht. In den Mittelmeerländern sind Waldbrände der Hauptschadensfaktor und zwischen 300.000 und 500.000 ha Wald und andere mit Bäumen bestockte Flächen fallen jedes Jahr dem Feuer zum Opfer. Besonders wüteten die Brände im Sommer 2003, als die Wälder sehr heißen und trockenen Klimabedingungen ausgesetzt waren und beispielsweise alleine in Portugal rund 400.000 ha durch Feuer zerstört wurden.

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Waldbewirtschaftung in den neuen Mitgliedsstaaten

Die kürzliche Erweiterung der EU auf 25 Mitgliedsstaaten hat zu einer beträchtlichen Ausweitung des EU-Forstsektors geführt. Dies gilt sowohl für die Waldfläche als auch hinsichtlich des Produktionspotenzials und des Naturerbes. Die Gesamtfläche des Waldes und anderer mit Bäumen bestockter Flächen wuchs um etwa 20%. In den Jahren 1999 – 2002 wurde die Auswirkung der Erweiterung auf den Forstsektor und bestimmte Waldbewirtschaftungsfragen durch einige Studien bewertet.

Einige besondere Aspekte der Forstsektoren in den neuen Mitgliedsländern werden in Folge besprochen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Rückgabe und/oder die Privatisierung von Waldflächen, der Reform staatlicher Institutionen, der Holzbe- und -verarbeitung und der Erhaltung der Artenvielfalt.

Eines der wichtigsten Problemkreise in den 8 neuen kontinentalen Mitgliedsstaaten ist die Rückgabe und/oder Privatisierung von Waldflächen und anderen Vermögenswerten in Verbindung mit Wald. Dies hat eine ganze Folge von Veränderungen am Markt und in der Politikgestaltung ausgelöst. Die meisten der genannten neuen Mitgliedsstaaten (mit Ausnahme von Polen) haben weit reichende Programme zur Reprivatisierung von Wäldern eingeleitet. Die betroffenen Wälder wurden bis 1989 zumeist durch staatliche Forstverwaltungen bewirtschaftet. Vielfach hat diese Restitution zu einer großen Anzahl kleiner Waldbesitze geführt, deren Eigentümer häufig weder die Fertigkeiten noch das notwendige Kapital für die Entwicklung ihrer Wälder besitzen. Dies führte dazu, dass wirtschaftliche Vorteile, die sich bei der Durchführung forstlicher Maßnahmen auf größeren Waldflächen ergeben, nicht genutzt werden konnten. Allerdings gilt dies ebenso für den privaten Forstsektor in den EU – 15 Ländern. In einigen Orten stellt Waldbesitz von Ausmärkern ein Problem für die effiziente Waldbewirtschaftung dar. In den meisten Ländern hat sich die Waldbesitzstruktur noch nicht endgültig ausgebildet, und die verfolgten Ansätze unterscheiden sich in vieler Weise. Dies schließt die Besitzart (z.B. Privat, Kirche, Kommunal), die Größe der zugewiesenen Rückgabefläche, das Referenzjahr (der Stand, der wiederhergestellt werden soll) und den Umgang mit Fällen, bei denen eine Rückgabe nicht durchführbar oder wünschenswert ist (Flächen, die keine Wälder mehr tragen, Naturschutzgebiete, u. a.) mit ein. Die ursprüngliche Furcht, dass die Rückgabe zu überhöhten Holzeinschläge führe, hat sich mit Ausnahme einiger begrenzter Gebiete zu Beginn der Rückerstattungen im Allgemeinen nicht bewahrheitet.

Eine weitere wichtige Entwicklung ist der Fortgang von Verwaltungsreformen, wie z. B. die allgemeinen Bestrebungen, Bewirtschaftungs- und Hoheitsfunktionen der staatlichen Forstverwaltungen zu trennen. Einige neue Mitglieds- bzw. Kandidatenländer haben Wirtschaftsbetriebe (in der Regel im staatlichen Besitz) zur Bewirtschaftung der Staatswälder gegründet. Holzernte und waldbauliche Arbeiten werden zumeist von Unternehmern durchgeführt, einige Dienste, wie die Erstellung von Betriebswerken sind in verschiedenen Ländern in den privaten Bereich verlagert worden. Obwohl diese Reformen die Effizienz grundsätzlich erhöht haben, wurden Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor abgebaut. Dies kann potenziell Auswirkungen auf die Fähigkeit zur Durchsetzung forstlicher Rechtsvorschriften und das Angebot der technischen Hilfestellung für private Waldbesitzer haben.

Aus dem Blickwinkel der Holzverarbeitung betrachtet, hat die Erweiterung die Stellung der EU als Nettoexporteur von Holzprodukten gestützt. In Bestätigung eines Prozesses, der bereits vor einigen Jahren eingesetzt hat, gewinnen Forstprodukte aus den neuen kontinentalen Mitgliedsländern weiter Marktanteile in der EU hinzu. Grund dafür waren bisher die Unterschiede in den Bearbeitungs- und dem entsprechend den Endproduktkosten zwischen der EU–15 und der EU–10. Die neuen Mitgliedsstaaten boten attraktive Investitionsmöglichkeiten für die forstbasierte Industrie aus den EU-15 Ländern, Nordamerika und anderswo. Allerdings nehmen die Unterschiede ab und Lohntarife, und Sozial- und Umweltauflagen steigen. Gleichzeitig wird der wachsende Lebensstandard in den neuen Mitgliedsstaaten neue Marktchancen für Produkte mit einer höheren Wertschöpfung eröffnen. Dies gilt insbesondere für Druck und Schreibpapiere, Holzkonstruktionselemente hoher Qualität und Einrichtungsgegenstände. Wie in den Ländern der EU-15 wird auch in den neuen Mitgliedsländern der Einsatz von Holz und Holzresten zur Energiegewinnung weiterhin steigen. Wie in der gesamten EU muss dieser Prozess in kohärenter Weise betrieben werden, um die Material- und Wertströme zu optimieren und die effiziente Nutzung des Rohstoffes sicherzustellen.

Die Bedeutung der Wälder der EU-15 für den Schutz der Artenvielfalt hat große Hoffnungen geweckt, nicht nur im Rahmen von Natura 2000, sondern auch auf Landschaftsebene außerhalb der Schutzgebiete. Einige neue Mitgliedsstaaten haben ausgedehnte und verhältnismäßig ungestörte Waldflächen von hohem Erhaltungswert. Dies wird besonders augenfällig durch das Auftreten verhältnismäßig großer und stabiler Populationen großer Fleischfresser und Raubvögel.

Daher ist eine der wichtigsten Herausforderungen für die neuen Mitgliedsstaaten, die Erhaltung ihres reichen Naturerbes mit Investitionen in eine dynamische Forstindustrie zu verbinden.

Zuruck "Ressource Wald und die EU Forststrategie"

 

 

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Andere forstbezogene Aktivitätsfelder

 


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Last update: 06-01-2010