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Die Europäische Kommission
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Landwirtschaft und Umwelt

Pestizide in der Europäischen Union

Stéphanie LUCAS, Maria PAU VALL (Eurostat)

Das Gesamtvolumen der in der EU verkauften Pestizide für die Anwendung in der Landwirtschaft ging zwischen 1991 und 1995 drastisch zurück. Dieser Trend kehrte sich 1996 jedoch wieder um. Zwischen 1991 und 1995 gingen die Verkäufe von Pestiziden in der EU in Tonnen Wirkstoff um 13% zurück. Dem folgte 1996 ein Anstieg um 6% bis auf 299.826 Tonnen. Aber auch das ist immer noch fast 8% weniger als 1991. Der Einsatz von niedriger dosierten Pestiziden hat wesentlich zum Rückgang der Verkaufsmengen (in Tonnen Wirkstoff) in den vergangenen Jahren beigetragen. Fungizide machen den Hauptanteil der Pestizide in der EU aus. 1996 waren es in Wirkstoff gemessen 41%, gefolgt von den Herbiziden (39%) und den Insektiziden (12%).Bei Vergleichen ist Vorsicht geboten, weil sich die Daten der einzelnen Länder unterscheiden können. Außerdem machen jedes Jahr verschiedene Faktoren ihren Einfluß geltend: Wetter und saisonale Einflüsse, Krankheitsbefall, Pestizidpreise, Flächenstillegungen und politische Veränderungen.

Um ihre Kulturpflanzen gesund zu erhalten, kämpfen Landwirte unablässig gegen Insekten, Pilze und Pflanzenkrankheiten sowie gegen Unkräuter, die mit den angebauten Kulturen um Wasser, Nährstoffe und Licht konkurrieren und das Ernten erschweren. Der wichtigste Faktor für den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft ist wahrscheinlich das Wetter (Kasten 1), das einen erheblichen Einfluß auf die Ausbreitung von Pflanzenerkrankungen, Pilzen und Insekten hat. Vor die Frage gestellt, ob er seine Kulturen mit Pestiziden behandeln soll oder nicht, wird der Landwirt die Kosten des potentiellen Ernteverlusts gegen die Kosten der Anwendung von Pestiziden aufrechnen; daher hängt die Höhe der Verkaufszahlen auch vom Preis der Pestizide ab. Auswirken kann sich auch die aufgrund von entsprechenden Regelungen durchgeführte Stillegung von Flächen, obwohl stillgelegte Flächen oft für den Anbau von Industriepflanzen genutzt werden, die ebenfalls gegen Schädlinge behandelt werden müssen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Einführung neuer, hoch wirksamer, niedriger dosierter Pestizide in den letzten Jahren.

Auch Veränderungen der nationale und europäische Politik können sich auf den Verkauf von Pestiziden auswirken:

  • Durch die Reform der GAP sind nicht nur die Interventionspreise sondern auch die Marktpreise für Getreide und Ölsaaten drastisch zurückgegangen. Diese Entwicklung hat zu einem gestiegenen Bewußtsein der Landwirte und zu vorsichtigeren Anwendung und besseren Verfahrensweisen geführt. Zusätzlich wurde ein bedeutender Anteil an flächen stillgelegt.
  • die Aussicht auf höhere Steuern und die Herausnahme einiger Pestizide aus dem Markt führte in Schweden dazu, daß 1994 im Vergleich zu 1993 eine um 50 % höhere Menge an Pestiziddosen an die schwedische Landwirtschaft verkauft wurde;
  • die Genehmigung der Anwendung von Mineralöl im ökologischen Landbau gemäß der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91 des Rates führte zu einem vermehrten Einsatz dieses Wirkstoffes. In Österreich beläuft sich allein der Anteil des Mineralöls auf mehr als 50 % des Gesamtvolumens verkaufter Insektizide, und in den Niederlanden war Mineralöl 1995 der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff.
Die Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament über eine Gemeinschaftsstrategie zur Erhaltung der Artenvielfalt, zählt die Kontaminierung von Wasservorräten und schädliche Auswirkungen auf Nichtzielorganismen zu den Einflüssen, die Pestizide auf die Artenvielfalt nicht nur unmittelbar am Ort ihrer Anwendung haben können, sondern auch in anderen Ökosystemen, beispielsweise infolge des Pestizidabflusses.

Im Fünften Umweltaktionsprogramm der Gemeinschaft sind eine Reihe von Zielen für das Jahr 2000 festgelegt, darunter eine deutliche Verringerung des Pestizideinsatzes pro genutzter Anbauflächeneinheit und eine Umstellung auf integrierte Schädlingsbekämpfungsmethoden - zumindest in für den Naturschutz wichtigen Gebieten. Aktionen, die zur Erreichung dieser Zielvorgabe als erforderlich definiert wurden, sind die Registrierung des Verkaufs und der Anwendung von Pestiziden sowie die Kontrolle des Verkaufs und der Anwendung von Pestiziden. Beides ist in der Richtlinie 91/414/EWG geregelt, die sich mit der Zulassung, dem Vermarktung und der Anwendung von Pestiziden in der EU befaßt. 

Die Maßnahmen zur umweltgerechten landwirtschaftlichen Produktion im Rahmen der GAP-Reform von 1992 zielen, wie in einem anderen Kapitel dieser Veröffentlichung dargelegt, darauf ab, Umweltschutzinteressen und Interessen der Landwirtschaft durch eine erhebliche Verringerung der Anwendung von Pestiziden zu integrieren und den ökologischen Landbau zu fördern.

Drastischer Rückgang des Pestizidverkaufs in den Mitgliedsländern der EU zwischen 1991 und 1995, Umkehr dieses Trends in 1996

Das Gesamtvolumen der in der EU verkauften Pestizide für die Anwendung in der Landwirtschaft (ausgedrückt in Tonnen Wirkstoff) ging zwischen 1991 und 1995 um 13 % zurück (Abbildung 1). Dem folgte 1996 ein Anstieg um 6 %, mit dem die Verkaufszahlen für die gesamte EU aber immer noch um 8 % unter den Zahlen von 1991 lagen. Die Tendenz ist allerdings nicht in allen Ländern gleich.

Im Allgemeinen läßt sich eine Verringerung des Verkaufsvolumens beobachten, auch wenn gravierende Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten erkennbar sind. Verschiedene Gründe lassen sich hierfür anführen, zum Beispiel

  • Weiterentwicklung und Fortschritt der Technologie und den Techniken, im besonderen die Einführung von niedrigdosierbaren Pestiziden (gesamte EU)
  • Gefallene Preise nach der GAP Reform (gesamte EU)
  • Neue Richtlinie zur umweltgerechten Landwirtschaft (siehe Artikel zum 'Einfluß der Maßnahmen zur umweltgerechteren landwirtschaftlichen Produktion')
  • Verpflichtende und freiwillige Flächenstillegung wie in der GAP Reform 1992 vorgesehen (gesamte EU)
  • Nationale Reform der Landwirtschaftspolitik (Schweden)
  • Drastischer Verfall der Preise für landwirtschaftliche Produkte nach EU Beitritt (Finnland)
  • Spezielle Politiken zur Reduzierung der Pestizidanwendung (Östereich, Dänemark, Niederlande, Finnland , Schweden)
  • Trockenheit (Spanien und einige Regionen in Portugal und Italien)
Die größte Verringerung des Verkaufsvolumens von Pestiziden zwischen den Jahren 1991 und 1996 wurden in folgenden Ländern festgestellt: Finnland (- 46 %), die Niederlande (-43 %), Österreich (-21 %), Dänemark (- 21 %) und Schweden (- 17 %). All diese Länder zusammengenommen machten 6,5 % des Gesamtvolumens der 1996 verkauften Pestizide aus.

Ein erheblicher Rückgang ließ sich in diesem Zeitraum auch auf größeren Absatzmärkten beobachten, d.h. in Italien (-17 %) Spanien (- 15 %) und Frankreich (- 11 %), obwohl 1996 im Vergleich zu 1995 der Verkauf in Spanien wieder um 19% und in Frankreich um 11 % zunahm.

Frankreich stellt, nach Gewicht gemessen, bei weitem den größten Markt für Pestizide in der EU dar. Hier wurden 1996 etwa 31 % des Gesamtvolumens an Pestiziden in der EU - derselbe Anteil wie 1991 - verkauft. Italien, der zweitgrößte Markt, liegt mit einem Marktanteil von 16 % weit zurück, gefolgt vom Vereinigten Königreich (12 %), Deutschland (12 %) und Spanien (11 %).

Im Vereinigten Königreich stiegen die Verkaufszahlen zwischen 1991 und 1996 kontinuierlich an (+ 22 %), wobei allein 1996 ein Anstieg von 6 % verzeichnet wurde. In Deutschland fielen die Verkaufszahlen zwischen 1991 und 1994 um nahezu 20 %, 1995 und 1996 stiegen sie allerdings wieder an und kamen bis auf 5 % an das Niveau von 1991 heran.

Hinweis: Die Daten zum Verkauf von Pestiziden sind noch nicht für alle Länder vollständig harmonisiert. Ein Vergleich der Länder kann nur unter Vorbehalt erfolgen, da die Bewertungsgrundlage unterschiedlich sein kann. In Belgien, Frankreich, und Portugal beispielsweise schließt das verkaufte Gesamtvolumen auch solche Pestizide mit ein, die nicht für die Anwendung in der Landwirtschaft bestimmt sind. Auch durch die Einbeziehung bestimmter Erzeugnisse wie Mineralöl und Schwefelsäure in das verkaufte Gesamtvolumen an Pestiziden können sich die Zahlen für den Gesamtumsatz an Wirkstoffen übermäßig erhöhen.

Veränderungen, die innerhalb eines Landes im Laufe der Zeit aufgetreten sind, sollten ebenfalls vorsichtig bewertet werden, da keine homogenen Zeitreihen vorliegen. In Portugal beispielsweise ist der zwischen 1994 und 1995 ermittelte Anstieg der Verkaufszahlen vor allem darauf zurückzuführen, daß seit 1995 eine größere Zahl von Unternehmen in die Untersuchung einbezogen wurde.

Fungizide bilden die größte Gruppe der im Europa der Fünfzehn verkauften Pestizide, 1996 machten sie 41 % des Gesamtgewichts an verkauften Wirkstoffen aus, gefolgt von Herbiziden (39 %), Insektiziden (12 %) und anderen Pestiziden (8 %) (Abbildung 2). Die Situation unterscheidet sich allerdings in den einzelnen Ländern je nach Witterungsbedingungen und angebauten Kulturen. In den südeuropäischen Ländern (Frankreich, Italien, Portugal, Spanien und Griechenland), wo Schimmelkrankheiten das Hauptproblem darstellen, werden vor allem Fungizide eingesetzt, während in den mittel- und nordeuropäischen Ländern der größte Teil der verkauften Pestizide aus Herbiziden besteht.

Das Fünfte Umweltaktionsprogramm bezieht sich auf den Pestizideinsatz pro genutzter Anbauflächeneinheit. Wenn die Verkaufszahlen stellvertretend für den Einsatz gesetzt werden, zeigt Abbildung 3 den Einsatz von Pestiziden pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche, mit Ausnahme von Dauergrünland und Wiesen.

Hervorzuheben ist, daß die Gesamtmenge der angewendeten Pestizide in kg Wirkstoff/ha nicht unbedingt die potentiellen Auswirkungen auf die Umwelt widerspiegelt, die von den Eigenschaften der verschiedenen eingesetzten Pestizide, dem jeweiligen Anwendungsverfahren und anderen Faktoren beeinflußt werden. Eine genauere Vorstellung ließe sich gewinnen, wenn Daten zur Anwendung einzelner Wirkstoffe zur Verfügung stünden. Darüber hinaus ließen sich anhand von Daten zur Pestizidanwendung bei einzelnen Kulturen die Auswirkungen von Veränderungen der Gemeinsamen Agrarpolitik, wie beispielsweise die Auswirkungen veränderter Anbaumuster, auf die Anwendung von Pestiziden beurteilen. Solche Daten lassen sich durch unmittelbare Befragungen von Landwirten erheben.

Derzeit führen nur die Niederlande, Schweden und das Vereinigte Königreich regelmäßig direkte Befragungen von Landwirten zur Anwendung von Pestiziden durch; diese Erhebungen stützen sich auf eine repräsentative Stichprobe landwirtschaftlicher Betriebe. Die auf diese Weise gewonnenen Daten ermöglichen einen Blick auf die allgemeinen Tendenzen bei verschiedenen Kulturen (Tonnen Wirkstoff, kg/ha, behandelte Fläche usw.) und sind ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung von Indikatoren, die eine Bewertung der Umweltgefährdung durch Pestizide ermöglichen.

Erhebungen zum Pestizideinsatz in der Landwirtschaft in den Niederlanden von 1995 zeigen Rückgang des Gesamtgewichts der eingesetzten Wirkstoffe

In den Niederlanden wurden 1992 und 1995 Erhebungen zur Anwendung von Pestiziden 1 in der Landwirtschaft 2 durchgeführt (Abbildung 4). In diesem Zeitraum gingen die Anwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft, gemessen in Gewicht Wirkstoff, um insgesamt 5,4 % und die mit Pestiziden behandelte Gesamtfläche um knapp 2 % zurück. Die Menge der angewendeten Insektizide verringerte sich um 11 %, die der Fungizide um 16 % und die der Herbizide um 10 %. Umgekehrt war beim Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln aufgrund der Einführung eines neuen Erzeugnisses, das höher dosiert wird, ein Anstieg um 56 % festzustellen. Die Anwendung wirksamerer und niedriger dosierter Fungizide für Winterweizen und Kartoffeln erklärt den Rückgang beim Fungizideinsatz.

1995 wurden die meisten Pestizide bei Ackerkulturen (Saatkartoffeln, Speisekartoffeln, zur Verarbeitung bestimmte Kartoffeln, Zuckerrüben und Grünmais) eingesetzt (Abbildung 5). Das ist nicht überraschend, da in der niederländischen Landwirtschaft vor allem Ackerkulturen angebaut werden. Betrachtet man die einzelnen Bereiche, so zeigt sich seit 1992 ein deutlicher Rückgang im Pestizideinsatz (gemessen in Gewicht Wirkstoff) bei Freilandgemüse (- 19 %), Pilzen (- 13 %), Ackerkulturen (- 12 %) und in Pflanzschulen (- 5 %). Andererseits nahm der Pestizideinsatz bei Kulturen mit kurzer Fruchtfolge deutlich zu; hierzu zählen Gewächshausgemüse (+ 64 %), Blumenzwiebeln und -knollen (+ 37 %) und Gewächshausblumen (+ 12 %).

Ein anderes Bild ergibt sich bei der Betrachtung des Pestizideinsatzes pro Hektar (Abbildung 6). Hier war ein erheblicher Rückgang bei Winterweizen (- 36 %) und Speisekartoffeln (- 33 %) aufgrund der Einführung wirksamerer und niedriger dosierter Fungizide, bei Baum- und Heckenpflanzungen (- 55 %), insbesondere aufgrund der Einschränkungen im Hinblick auf die Anwendung von Mineralöldestillationsrückständen sowie bei Pilzen (- 10 %) zu verzeichnen. Die größte Zunahme ergab sich bei Saatkartoffeln (+ 63 %) infolge der Einführung eines neuen Krautvernichtungsmittels, das in höheren Konzentrationen angewendet werden muß, und bei Birnen (+ 47 %) infolge eines höheren Schorfbefalls im Jahr 1995. 

Das extrem hohe Niveau des Pestizideinsatzes bei Pilzen, das 1995 bei mehr als 450 kg/ha lag (Abbildung 6), ist auf die Besonderheit zurückzuführen, daß innerhalb eines Jahres zahlreiche aufeinanderfolgende Pilzkulturen möglich sind.

Nach Gewicht geordnet, war 1995 Mineralöl der am meisten eingesetzte Wirkstoff, gefolgt von den Fungiziden Maneb, Mancozeb und Captan. 1995 deckten diese drei Fungizide zusammen mit dem Herbizid Atrazin 45 % des gesamten Pestizideinsatzes ab. Das am häufigsten angewendete Insektizid war Dimethoat (53 Tonnen).

In den Niederlanden werden auf immer mehr Flächen nicht-chemische Methoden der Unkraut- und Schädlingsbekämpfung eingesetzt

1995 wurden in Baumschulen in großem Umfang mechanische Methoden der Unkrautbekämpfung angewendet (auf 65 % der Anbauflächen). Auch auf 43 % der Flächen, auf denen Freilandgemüse, insbesondere Chicorée, Salat und Kohl angebaut wurden, kamen mechanische Methoden der Unkrautbekämpfung zum Einsatz. Zudem nahm beim Futtermais die mechanische Unkrautbekämpfung ebenfalls deutlich zu: von 5% im Jahr 1992 auf 25% im Jahr 1995.

1995 nahmen im Vergleich zu 1992 die Flächen, auf denen biologische Schädlingsbekämpfung betrieben wurde, ebenso zu wie die Zahl der als Freßfeinde eingesetzten Insekten. Der durchschnittliche Paprikaerzeuger brachte sieben verschiedene Artfeinde zum Einsatz, während 1992 nur vier Arten verwendet wurden. 1995 wurden zwei Milliarden Insekten zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt, 80% davon waren Raubmilben gegen Thrips (Tabelle 1).

Schweden: Tendenzieller Rückgang bei der Anwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft 

Die Erhebung zum Pestizideinsatz von 1995/96 in Schweden bezog sich auf Ackerkulturen. Sie ergab einen Rückgang um 46 % in Tonnen angewendeter Wirkstoff im Vergleich zu 1990 (Abbildung 7). Der größte Rückgang zeigte sich bei Fungiziden mit - 63 %, gefolgt von den Insektiziden (- 60 %), anderen Pestiziden (- 52 %) und Herbiziden (- 40 %). Im Vergleich zu der Erhebung von 1993/94 lag der Pestizideinsatz 1995/96 um insgesamt 15 % niedriger.Die mit Herbiziden und Fungiziden behandelten Flächen hatten seit der Umfrage 1993/94 um 0,6 % bzw. 36 % zugenommen, während die mit Insektiziden behandelten Flächen im selben Zeitraum um 35 % zurückgegangen waren.

Vorherrschend ist der Anbau von Getreide, dies spiegelt sich in der Gesamtmenge der auf Getreide angewendeten Pestizide wider (Abbildung 8). Bei der Anwendung pro Hektar steht Getreide jedoch ziemlich weit am Ende der Liste, da auf 50 % der Getreideanbaufläche niedrig dosierte Herbizide eingesetzt wurden (Abbildung 9 und Kasten 2).

Bei Kartoffeln ergab sich 1993/94 aufgrund der hohen Anwendungsrate von Fungiziden die höchste Rate von Pestiziden pro behandelter Fläche. 1995/96 jedoch ging die Gesamtmenge der auf Kartoffeln angewendeten Pestizide ebenso zurück (- 49 %) wie die Rate pro Hektar (Abbildung 9 und Abbildung 10). Inzwischen liegt die Anwendungsrate von Herbiziden pro behandeltem Hektar bei Zuckerrüben am höchsten, obwohl sie im Vergleich zu 1994 ebenfalls zurückgegangen ist. Auch die Menge der auf Ölsaaten angewendeten Pestizide nahm deutlich ab, sowohl im Hinblick auf die insgesamt angewendete Menge (- 45 %), als auch im Hinblick auf die Anwendungsrate pro Hektar. Der aus Abbildung 10 ersichtliche deutliche Anstieg bei anderen Ackerkulturen (+ 50 %) war nicht auf eine Zunahme der angewendeten Dosen, sondern auf eine Zunahme der Anbauflächen zurückzuführen. 

Großbritannien: Zunahme des Gesamtgewichts aller auf Ackerkulturen und auf Ackerkulturflächen angewendeten Pestizide

In Großbritannien lag 1996 die in Tonnen Wirkstoff gemessene Gesamtmenge an Pestiziden 3, die auf Ackerkulturen angewendet wurden, um 7 % höher als 1994 und um 0,5 % höher als 1990 (Abbildung 10). Herbizide und Trockenmittel machten 69 % der Gesamtmenge aus, insbesondere aufgrund der verbreiteten Anwendung von Schwefelsäure. Der Anteil der Fungizide lag bei 18 %, der von Wachstumsregulatoren bei 9 %, der von Insektiziden bei 2 %, der von Saatgutbehandlungen bei 1 % und der von Molluskiziden bei unter 0,5 %.

Zwischen 1994 und 1996 nahmen die Ackerbauflächen um 6 % und die mit Pestiziden behandelten Ackerbauflächen insgesamt (einschließlich der stillgelegten Flächen) um 18 % zu. Aufgrund veränderter Vorschriften nahmen die stillgelegten Flächen um 30 % ab, so daß etwa eine Viertelmillion Hektar Land zusätzlich für den Ackerbau zur Verfügung stand. Auf einem Großteil dieser Fläche ist offensichtlich Getreide angebaut worden, vor allem Weizen und Wintergerste, deren Gesamtanbaufläche um 10,5 % (316 000 ha) zunahm, während sich gleichzeitig die Gesamtmenge von auf Getreide angewendeten Pestiziden um 1 432 Tonnen erhöhte. Dennoch war diese Zunahme der Gesamtmenge von auf Getreide angewendeten Wirkstoffen (mit + 16 %) geringer als die Zunahme der behandelten Flächen (+ 23 %). Diese Tatsache erklärt sich zum Teil daraus, daß immer mehr Getreideflächen mit den relativ niedrig dosierten Pyrethroiden behandelt wurden sowie daraus, daß die Anwendung von Organoposphaten und Carbamaten zurückging. 

Die meisten Pestizide werden auf Weizen angewendet und sehr viel weniger auf Wintergerste und Zuckerrüben (Abbildung 11). Die Zunahme der Pestizidanwendung erklärt sich nicht nur aus einer Zunahme der behandelten Flächen, sondern auch aus einer Zunahme der Anwendungsrate pro Hektar: sie stieg bei Weizen um 14 % und bei Wintergerste um 28 % (Abbildung 12). 

Vergiftung von Tieren im Vereinigten Königreich: In 31% der untersuchten Fälle spielten Pestizide eine Rolle 

Im Vereinigten Königreich werden Fälle mit Verdacht auf Pestizidvergiftung durch das ‘Wildlife Incident Investigation Scheme’ untersucht. Die Umweltarbeitsgruppe des beratenden Ausschusses "Pestizide" erstellt alljährlich einen Bericht über die untersuchten Fälle. 1996 wurden insgesamt 651 Fälle untersucht. In 204 dieser Fälle spielten Pestizide eine Rolle. Diese Zahl entspricht in etwa den Zahlen der Vorjahre. Betroffen waren im wesentlichen Haustiere (47 % aller Fälle), wildlebende Wirbeltiere (38 %), verdächtige Köder 4 (14 %), betroffen sind aber wahrscheinlich auch Nutztiere und Nützlinge. Die Tabelle 2 zeigt, welche Art von Pestiziden in den Fällen eine Rolle spielte, in denen eine Pestizidvergiftung nachgewiesen wurde (Kasten 3).


1 Zu den Pestiziden zählen Insektizide, Fungizide, Herbizide, Krautvernichtungsmittel, Bodendesinfektionsmittel (außer Begasungsmittel), Wachstumsregulatoren, Molluskizide, Desinfektionsmittel und Hilfsstoffe.
2 Folgende landwirtschaftliche Bereiche wurden in der niederländischen Erhebung erfaßt: Ackerkulturen, Freilandgemüse, Baumfrüchte, Baumschulen, Blumenzwiebeln und -knollen, Gewächshausgemüse und -blumen sowie Pilzen.
3 Zu den erfaßten Pestiziden zählten Insektizide, Akarizide, Molluskizide, Fungizide, Herbizide, Trockenmittel, Bodensterilisierungsmittel, Nematizide und Wachstumsregulatoren.
4 Jedes Jahr werden eine Reihe verdächtiger Köder und Stichproben auf Pestizidrückstände untersucht, auch dann, wenn keine toten Tiere gefunden und keine Vergiftungen bekannt worden sind.


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