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Landwirtschaft und Umwelt

Stickstoff in der Landwirtschaft

Maria PAU VALL, Claude VIDAL (Eurostat)

Nährstoffe, wie Stickstoff und Phosphate werden durch das Pflanzenwachstum den Böden entzogen und müssen wieder ersetzt werden. Stickstoffhaltiger Mineraldünger ist die Hauptquelle für die N-Zufuhr in den EU-Staaten, obwohl Stallmist und Gülle ebenfalls einen bedeutenden Beitrag leisten, insbesondere in Regionen mit hohem Tierbesatz. Stickstoffüberschuss, der Unterschied zwischen Zugabe und Entzug durch Pflanzen, kann negative Folgen für die Umwelt haben, die zu Verunreinigungen in Wasser, Luft und Boden führen. Die Integration von Umweltaspekten in die Landwirtschaftspolitik zielt darauf ab, die vorhandene und potentielle Verschmutzung zu reduzieren. Die Beobachtung von Stickstoffüberschüssen in der Landwirtschaft kann ein hilfreiches Instrument darstellen, um besonders gefährdete Gebiete zu erfassen.

Sickstoff ist für das Pflanzenwachstum unentbehrlich

Etwa 43% der Gesamtfläche der Europäischen Union (EU 15) wurden landwirtschaftlich genutzt (1995): 138 Millionen Hektar. Die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche hat sich in der Europäischen Union (EU 15) zwischen 1985 und 1995 um 2,7% verringert. Im gleichen Zeitraum hat allerdings das Volumen der landwirtschaftlichen Produktion um 5% zugenommen. Die Erhöhung der Gesamtproduktion ist das Ergebnis verschiedener Faktoren, u.a. von Einsatz von Nährstoffen, die für optimale Erträge benötigt werden, und dem preiswerten Angebot von Tierfutter, das zu ca. 30% aus Drittländern importiert wird.

Fruchtbare Böden sind reich an Nährstoffen, wichtige Komponenten, die für Stoffwechsel und Wachstum der Pflanzen eine entscheidende Rolle spielen. Die angebauten Pflanzen nehmen die benötigten Nährstoffe aus dem Boden auf, was eine Auslaugung der Böden zur Folge haben kann, wenn diese Nährstoffe nicht wieder ersetzt werden. Ausgelaugte Böden verringern die Ernteerträge und gefährden damit letztlich die Existenz des landwirtschaftlichen Betriebes. Traditionell wurde durch Fruchtwechsel, regelmäßige Brachezeiten sowie durch das Ausbringen von Tierdung, ein Teil der Fruchtbarkeit wieder gewonnen. Heutzutage ist die Verwendung von Mineraldüngemitteln die verbreiteste Methode, um den Böden Nährstoffe wiederzuzuführen und die Ernteerträge zu erhöhen. Der Stickstoff in Handelsdünger ist besonders leichtlöslich, um die Aufnahme durch die Pflanzen zu erleichtern. Die problemlose Lagerung und Handhabung ermöglichen eine einfache Ausbringung zu den Zeiten, in denen die Pflanzen den Dünger am meisten benötigen. In den EU-Mitgliedstaaten sind Mineraldüngemittel inzwischen die Hauptquelle für die den Böden zugeführten Nährstoffe, obwohl auch das Ausbringen von Dung weiterhin wichtig ist, insbesondere in Regionen mit hohem Tierbestand. Die übermäßige Zufuhr von Nährstoffen kann jedoch die Umwelt und in Extremfällen auch die Fruchtbarkeit des Bodens selbst gefährden.

Nährstoffeinträge in die Umwelt können durch angemessenen Gebrauch von Düngern, aber auch durch nachhaltige landwirtschaftliche Bewirtschaftungsmethoden, wie Fruchtwechsel und Anbau von Bodendeckern minimiert werden. Der angemessene Einsatz von Düngemitteln, ob mineralisch oder organisch, bedeutet die Ausbringung bei korrekten Witterungsbedingungen (um Abfluß und Auswaschung zu mindern), in der entsprechende Wachstumsphase der Pflanzen (schnelle Nährstoffaufnahme durch die Pflanzen) und in angepassten Mengen.

Wie in der «Agenda 2000 – The First 5 Years» betont, geht die Reform der GAP von 1992 in Richtung der Umkehr des Intensivierungstrends, wobei wesentlich mehr zur Integration von Umweltbelangen in die landwirtschaftliche Politik und Praxis notwendig ist.

Stickstoffüberschüsse – eine Gefahr für die Umwelt

Nährstoffe, die nicht von den Pflanzen aufgenommen werden, können im Rahmen des Stoffwechsels von Mikroorganismen im Boden zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit umgewandelt werden. Doch dies ist ein langsamer Prozeß, und die Hauptgefahr besteht darin, daß Nährstoffe, insbesondere das sehr leichtlösliche Nitrat, in das Oberflächenwasser abfließen oder ins Grundwasser versickern.

Außerdem geht ein Teil des Stickstoffs, insbesondere aus dem Dung, durch Verflüchtigung von Ammoniak (das zur Versauerung beiträgt, siehe Beitrag 'Versauerung und Landwirtschaft') oder als N2O (ein wirkungsvolles Treibhausgas, siehe Beitrag 'Landwirtschaft im Klimawandel') an die Luft verloren. Phosphor, vorwiegend in Form von Phosphat, ist nicht so leichtlöslich wie Nitrat und wird hauptsächlich von Sedimenten in Oberflächenabflüssen transportiert, wodurch er oft in Flüsse oder Bäche gelangt.

Zu hohe Konzentrationen von Stickstoff und Phosphor in Gewässern können zur Eutrophierung von Flüssen mit geringer Fließgeschwindigkeit, Seen, Stauseen und Küstengebieten führen. Dieser Prozeß zeigt sich durch die Verbreitung blaugrüner Algen, einer geringeren Lichtdurchlässigkeit, der Erschöpfung von Sauerstoff in den Oberflächengewässern, dem Sterben der am Grund der Gewässer lebenden wirbellosen Tiere sowie der Erzeugung von für Fisch, Vieh und Mensch gefährlichen Giftstoffen.

Auch für die Böden besteht die Gefahr der Eutrophierung, wenn Nährstoffüberschüsse den Sauerstoff im Boden verbrauchen, wobei einwandfreies Funktionieren der natürlichen Mikroorganismen und somit auch die Bodenfruchtbarkeit beeinflusst wird. Eutrophierte Böden sind außerdem N2O-Quellen.

Das größte Risiko für unser Grundwasser sind Nitrate, die in hohen Konzentrationen als Gesundheitsgefahr eingestuft werden. Stark kontaminiertes Grundwasser kann nicht als Trinkwasser verwendet werden, was zusätzliche Kosten für die Wasserwirtschaft bedeutet, um die Nitrate aus den für die Trinkwassergewinnung genutzten Grundwasserquellen zu beseitigen. Die Nitrat-Richtlinie (91/676/EWG) (siehe weiter unten) zielt auf den Schutz des Grundwassers vor einer zu hohen landwirtschaftlichen Nitratbelastung, insbesondere durch Dung, ab (Kasten 1).

Woher kommt der Stickstoff ?

Für die gesamte Europäische Union gilt der Mineraldünger als die Hauptquelle des Stickstoffs in landwirtschaftlich genutzten Flächen, gefolgt von Tierdung. Allerdings variiert dies von Land zu Land erheblich. 1995 zum Beispiel betrug der Gesamteintrag von Stickstoff aus Mineraldünger für Dänemark, Deutschland, Griechenland, Frankreich, Luxemburg, Finland und Schweden über 50%. Auf der anderen Seite war in Belgien und den Niederlanden der Tierdung für über 50% des Stickstoffeintrags verantwortlich (Abbildung 1).

Für die Stickstoffbelastung der Böden gibt es einige weitere, kleinere Stickstoffquellen, wie der Eintrag von Stickstoff und Amoniak aus der Atmosphäre, biologische Fixierung von Stickstoff aus der Luft durch einige Pflanzen wie Leguminosen, und Klärschlamm, der auf den Feldern ausgebracht wird. Obwohl der Anteil dieser Quellen von Land zu Land variiert, tragen sie im Vergleich zu Mineraldünger und Tierdung nur zu einem geringen Prozentsatz am Stickstoffeintrag bei.

Klärschlamm als potentielle Stickstoffquelle wurde nicht berücksichtigt, da für die meisten Europäischen Länder entsprechende Daten nicht vorliegen. Klärschlamm wird von Kläranlagen gesammelt und kann für landwirtschaftliche Zwecke verwendet werden. Die Verwendung von Klärschlamm in der Landwirtschaft wird durch die Richtline 86/278/EWG geregelt. Damit sollen, durch die Unterstützung der korrekten Ausbringung des Klärschlamms, negative Auswirkungen auf Boden, Vegetation, Tiere und Menschen verhindert werden.

Mineraldüngemittel sind die Hauptstickstoffquelle in der Landwirtschaft

Innerhalb der EU stammt der auf landwirtschaftlichen Böden ausgebrachte Stickstoff hauptsächlich aus Mineral- (Handels-) Dünger, und zwar vorwiegend als reiner Stickstoffdünger in Form von Ammoniumnitrat. Der Stickstoff in den Handelsdüngern ist besonders leicht wasserlöslich, um die Aufnahme durch die Pflanzen zu erleichtern, doch genau diese Eigenschaft führt dazu, daß der Stickstoff nach heftigen Regenfällen leicht abfließen und/oder ins Grundwasser sickern kann.

Seit Anfang der 90er Jahre kommt insgesamt mehr Stickstoff-Handelsdünger zum Einsatz als Kali und Phosphate zusammengenommen. Die Verwendung von Stickstoffdüngemitteln nahm in den 70er Jahren und Anfang der 80er Jahre rapide zu (Abbildung 2). Dies entspricht einer Periode, in der gestiegene Argarerträge in Europa zu beobachten waren, wobei ein bedeutender Produktionszuwachs bei ertragreichen Getreidesorten, eine Zunahme bei den Ölpflanzen (Raps und Sonnenblumen) sowie eine Intensivierung von Futterpflanzen auf Kosten des Dauergrünlandes festzustellen war.

Sieht man sich den Verbrauch an Stickstoffdünger in EU 15 genauer an, so zeigt sich zwischen 1985 und 1995 ein Rückgang sowohl im Volumen und als auch in Ausbringungsrate (kg/ha), mit dem stärksten Rückgang zwischen 1989 und 1992. Zwischen 1992 und 1995 ist die Ausbringungsrate von Stickstoffdünger, gemessen in kg/ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, in EU 15 wieder leicht angestiegen. Das Niveau von 1991 wurde nicht mehr erreicht.

Diese leichte Zunahme kann durch einige Faktoren erklärt werden. Obwohl die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche zwischen 1992 und 1995 zurückging, hat sich die Anbaufläche bestimmter Feldfrüchte mit hohen Ausbringungsraten, wie Getreide oder Raps, innerhalb dieser Periode vergrößert. Die Erhöhung der Düngergaben spiegelt sich in höheren Erträgen wieder, obwohl andere Faktoren, wie die Verbesserung der Pflanzenvarietäten und der Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln ebenso die Erträge beeinflußt, und, zusammen mit den Preisen für landwirtschaftliche Produkte, die Entscheidung des Landwirtes hinsichtlich der Düngergaben beeinflußt.

Die Verwendung von Phosphaten ist seit Anfang der 80er Jahre stetig zurückgegangen und lag 1995 um 38 % niedriger als 1980. Diese Tatsache ist Ausdruck des zunehmenden Trends innerhalb der EU Bodenanalysen durchzuführen, um vor der Ausbringung von Phosphaten, die weniger mobil sind als Nitrate, den Bedarf einzuschätzen.

Obwohl der Düngemittelverbrauch innerhalb eines Landes von Region zu Region variiert, nicht zuletzt aufgrund des unterschiedlichen Anbaus, führen nur wenige Länder Erhebungen bezüglich des Düngemittelverbrauchs verschiedener pflanzlicher Produkte und Regionen durch (Kasten 2). Derzeit ist es lediglich möglich Aussagen über den Düngemitteleinsatz auf landwirtschaftlichen Flächen auf regionaler Ebene zu treffen.

Der zukünftige Trend des Düngemittelgebrauchs wird von einer Reihe von Faktoren abhängen, insbesondere von der Landwirtschafts- und Umweltpolitik der EU. Voraussagen der Industrie (EFMA 1994) bis 2006-2007 gehen von einer Abnahme der Anwendungsraten innerhalb dieses Zeitraums aus.

Einige der Aktionen, die wahrscheinlich den Düngemittelverbrauch in den EU Staaten beeinflußen, sind:

  • erweiterte Anwendung der Agrar-Umwelt-Maßnahmen (Kasten 3 und Kasten 4), die sich auf die Extensivierung und die Verminderung der Einträge konzentrieren, einschließlich der Maßnahmen zur Förderung der Öko-Landbaus und der Elemente der GAP Reform von 1999, die darauf abzielen das Umwelt-Profil der EU-Landwirtschaft zu verbessern, wie die Einführung des „cross compliance" Konzepts.
  • Die weitere Implementierung der Nitratrichtlinie mit spezifischen Aktionsprogrammen für gefährdete Zonen und die Einführung von Leitlinien der guten landwirtschaftlichen Praxis.
  • Die erweiterte Nutzung der Bodenproben- und Düngemittel-Beratungsprogramme zur Unterstützung des Trends hin zur bedarfsgerechten Düngung, als Resultat der Notwendigkeit zur Kostenreduktion, und hin zu einem Bewußtsein des Nährstoffwertes von Tierdung.

Tierdung: die zweitwichtigste Stickstoffquelle

Tierdung ist die zweitwichtigste Quelle der Stickstoffeinträge in landwirtschaftlichen Böden. Der Nährstoffgehalt ist von Land zu Land und innerhalb eines Landes von Region zu Region unterschiedlich. Er hängt von der Art des gehaltenen Viehs, den Weidesystemen und dem Nährstoffgehalt der Futtermittel ab.

Der Stickstoffeintrag aus Tierdung berechnet sich durch die Multiplikation der Anzahl der verschiedenen Tiere mit einem spezifischen vieh- und länderbezogenen Koeffizienten. Für alle Jahre werden die gleichen Koeffizienten verwendet (Tabelle 1).

In den meisten Ländern hat eine Verringerung des Gesamtviehbestands seit 1990 zu einem leichten Rückgang der zu entsorgenden Menge Dung geführt (Abbildung 3).

Nicht sämtlicher im Dung enthaltener Stickstoff wird auf die Böden ausgebracht. Eine bestimmte Menge geht durch Verflüchtigung von Ammoniak in den Ställen und während der Lagerung des Dungs verloren. Diese Menge kann ganz erheblich schwanken, je nach der Art des Dungs und den Güllespeichereinrichtungen. Eine weitere Menge Ammoniak verflüchtigt sich, nachdem der Dung auf den landwirtschaftlich genutzten Böden ausgebracht ist. In diesen Berechnungen wurde nur die Verflüchtigung in den Ställen und während der Lagerung (geschätzte 15-20 Prozent) abgeleitet, entsprechend den von den Ländern selbst gelieferten Informationen. Ammoniak trägt zur Bodenversauerung bei (siehe Beitrag über „Landwirtschaft und Versauerung"), weshalb einige Länder Maßnahmen zur Reduktion der Ammoniakverflüchtigung eingeleitet haben. Zu diesen Maßnahmen gehört die Injektion der Gülle in den Boden, anstatt der Aufbringung auf den Oberboden. Das Ergebnis ist eine Reduktion der Verflüchtigung, aber eine Erhöhung des Stickstoffgehaltes im Boden und eine größere Gefahr der Versickerung.

Der höchste Eintrag von Stickstoff aus Tierdung pro Hektar war 1995 in den Niederlanden und in Belgien, beides Länder mit einer hohen Viehdichte, zu beobachten, gefolgt von Dänemark, Irland und Luxembourg (Abbildung 4).

Dennoch sollten geringe nationale Beträge nicht dahingehend interpretiert werden, daß es keine Probleme mit Tierdung gebe, insbesondere in Flächenstaaten wie Frankreich, Spanien, Italien und dem Vereinigten Königreich, wo landwirtschaftliche Strukturen von Region zu Region sehr unterschiedlich sind (Karte 1).

EIn Vergleich der Abbildung 3 mit Karte 1 zeigt, daß geringe nationale Zahlen für Stickstoffeinträge aus Tierdung pro Hektar die Tatsache verdeckt, daß es einige Regionen mit einer hohen Viehdichte und entsprechend hohen Tierdungeinträgen gibt. So liegen die Stickstoffeinträge aus Tierdung in Galizien viermal höher als der nationale spanische Durchschnitt. In der Bretagne liegt er dreimal höher als der nationale französische Durchschnitt, in der Lombardei übersteigt er knapp das dreifache des italienischen Mittelwertes, in Nord-West-England beträgt er das Doppelte des nationalen Durchschnitts des Vereinigten Königreichs. In allen Regionen liegen die Werte deutlich über 100 kg/ha.

Der Stickstoffentzug aus landwirtschaftlich genutzten Böden

Stickstoff wird auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht, da er ein wichtiger Faktor für das Pflanzenwachstum ist und von den Pflanzen während der Wachstumsphase aufgenommen wird. Die von Ackerpflanzen absorbierte Stickstoffmenge ist eine Funktion der mit jeder Pflanzenart bestellten Fläche, dem Ertrag und dem Stickstoffgehalt (-koeffizienten) für jede der geernteten Pflanzen. Dabei wird lediglich der Stickstoff berücksichtigt, der innerhalb des Korns oder dem geernteten Teil der Pflanze enthalten ist, da Stroh im allgemeinen auf dem Feld verbleibt, untergepflügt oder als Streu in der Tierhaltung verwendet wird und daher zu einem späteren Zeitpunkt zusammen mit dem Dung auf dem Feld ausgebracht wird.

Ein besonderes Problem betrifft Gras, da die Bestimmung der Menge Gras, die gemäht oder abgeweidet wird, schwierig ist. Statistiken über gemähtes Gras liegen nur in einigen Ländern vor. Um dieses Problem zu beheben, sind Schätzungen erforderlich, die auf den Berechnungen des theoretischen Futterbedarfs der Tiere basieren. Diese Annahmen führen zu einer Überschätzung der durch Gras entzogenen Stickstoffmenge.

Unter Verwendung dieser Schätzungen gilt für alle EU Staaten, daß Gras die Pflanze ist, die am stärksten für die Beseitigung des Stickstoffs aus dem Boden verantwortlich ist. In 12 der 15 EU Ländern entfallen auf Gras mehr als 50 % der entzogenen Stickstoffmenge. Für die meisten Länder steht Getreide an zweiter Stelle (22 % der Gesamtentzugs in Dänemark, 18% in Frankreich und in Deutschland, 13% in Italien und 16 % im Vereinigten Königreich). Gerste ist für 18 % des Entzugs in Dänemark und Finnland, für 12 % in Schweden und für 11 % in Deutschland verantwortlich (Abbildung 5).

Landwirtschaftliche Stickstoffbilanz: Ein Indikator zur Erfassung von gefährdeten Gebieten

Mit Hilfe der Information über Stickstoffeinträge in landwirtschaftlich genutzte Böden und Schätzungen des Stickstoffentzugs durch Pflanzen und Gras, kann die Menge an überschüssigem Stickstoff in landwirtschaftlichen Böden geschätzt werden. Die Berechnungsmethode des Stickstoffüberschusses wird als Stickstoffbilanz des Bodens bezeichnet (Schema 1). Diese Bilanz kann als Indikator zur Erfassung von potentiell durch Stickstoffüberschüsse gefährdete Gebiete herangezogen werden. Darüber hinaus kann die Beobachtung von Veränderungen der Überschüsse über mehrere Jahre dazu genutzt werden, die Effektivität von Agrar-Umweltmaßnahmen oder der Nitratrichtlinie zu bewerten.

Die Berechnung der Überschüsse kann hingegen nicht direkt als Indikator des Stickstoffeintrags ins Wasser angesehen werden. Die Bilanz zwischen Eintrag und Entzug innerhalb des Systems beinhaltet alle potentiellen Verluste, inklusive der Veränderungen der Stickstoffbindung, hauptsächlich im Boden. Die potentiellen Verlustwege für Stickstoff sind

  • In die Atmosphäre durch direkte Verflüchtigung nach Ausbringung des Tierdungs
  • In die Atmosphäre als Distickstoff-Monoxid und Stickstoffgas durch Denitrifikation
  • In das Grundwasser durch Nitratauswaschung und in organischen Verbindungen
  • In Gewässer und Seen durch Abspülung nach heftigen Regenfällen

Darüber hinaus variiert die Beziehung zwischen Stickstoffbilanz und Verluste ins Wasser je nach landwirtschaftlichem System und wird durch die Intensität der Landbewirtschaftung, die landwirtschaftlichen Bewirtschaftungspraktiken, den Bodentyp und die klimatischen Bedingungen beeinflußt.

Ein erster Versuch wurde unternommen um eine Stickstoffbilanz des Bodens für die EU Staaten auf nationaler Ebene zu entwickeln (Abbildung 6). Einige vereinfachende Annahmen mußten getroffen werden, da entsprechende Daten nicht vorliegen. Diese Annahmen versuchen die wirkliche Situation so genau wie möglich abzubilden. Dennoch, um dem Ziel der Erfassung struktureller Überschüsse zu genügen, wurde folgende generelle Regel angewendet: im Falle von größeren Unsicherheiten hinsichtlich bestimmter Posten werden diejenigen Lösungen angewendet, die den Überschuß minimieren. Überschüsse, die als Ergebnis der Berechnung erscheinen sollten als unterschätzt angesehen werden, und ein stärkeres Gewicht haben (Kasten 5). 

Eine Stickstoffbilanz auf regionaler Ebene würde bessere Informationen über Stickstoffüberschüsse und die betroffenen Regionen liefern. Der derzeitige Stand der Datenverfügbarkeit erlaubt allerdings keine überzeugende regionale Bilanz.

Die „Hoftor" Bilanz

Eine weitere Methode zur Berechnung eines Stickstoffüberschusses, bekannt unter dem Begriff Hoftor Bilanz, wurde in einigen Ländern entwickelt. Die Hoftorbilanz beinhaltet die Erfassung der Stickstoffmengen, die in einen Landwirtschaftlichen Betrieb gelangen (Düngemittel, Tierfutter etc.) und die Mengen, die ihn, in Form von landwirtschaftlichen Produkten wieder verlassen (Kulturpflanzen, Milch, Fleisch, Eier etc.). Es wird angenommen, das der Rest auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche zurückbleibt. Diese Methode ist auf Betriebsniveau dort relativ einfach anzuwenden, wo der Landwirt genaue Kenntnisse hat über das, was in seinen Hof hineinkommt und was ihn wieder verläßt.

Die Berechnung einer „Hoftorbilanz" auf nationaler Ebene ist weitaus komplizierter. Diese beinhaltet die Erfassung der Menge an Stickstoff, die in ein Land eintritt und es wieder verläßt, wobei zwischen Importen und Exporten des landwirtschaftlichen Sektors unterschieden werden sollte. Das Schema 2 gibt einen Überblick der beteiligten Flüsse.

Einer der größten Nachteile dieser Methode auf nationalem Niveau ist der Bedarf an einer große Menge von Daten und Koeffizienten, die benötigt werden, um den Stickstoffgehalt der Im- und Exporte, insbesondere von Verbundprodukten, zu berechnen. Während Außenhandelsstatistiken Informationen über das Gewicht von Im- und Exporte liefern, so hat es sich als sehr schwierig erwiesen diese in „Stickstofftonnen" umzurechnen. Es ist weiterhin schwierig zu unterscheiden, ob ein Produkt, z.B. Getreide, zum menschlichen oder tierischen Verzehr bestimmt ist.

Einige Länder wie Dänemark, die Niederlande, Schweden und das Vereinigte Königreich haben nationale Hoftorbilanzen berechnet, wobei jedes Land unterschiedliche Quellen herangezogen hat. Eine zusammengefaßte Bilanz für die Niederlande, die eine sehr detaillierte Hoftorbilanz der letzten 10 Jahre entwickelt hat, wird in Kasten 6 vorgestellt.

Im allgemeinen besteht der Vorteil nationaler Bilanzen darin, einen Hinweis auf die Stickstoffquellen zu geben, die zu einem Überschuß beitragen.

Die Prinzipien der verschiedenen Stickstoffbilanzen können auch auf andere Nährstoffe, insbesondere Phosphat angewendet werden. Phosphat-Bilanzen werden in verschiedenen Ländern berechnet, insbesondere in Deutschland und den Niederlanden (Kasten 7). 

Die Berechnung einer Phosphatbilanz ist einfacher als die der Stickstoffbilanz, da Phosphate nicht biologisch aus der Atmosphäre fixiert werden, sich nicht gasförmig in die Atmosphäre verflüchtigten und auch nicht sehr wasserlöslich sind. Deshalb wird Phosphat im Boden gebunden sofern es nicht durch Auswaschung in Flüsse und Seen gelangt.


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