| Kasten 8: Was ist Niederwaldwirtschaft?
Niederwaldwirtschaft ist eine spezielle Anbauart, die Nahrungspflanzen ersetzen und zum Abbau von Überschüssen beitragen kann. Alle drei Jahre wird der Stockausschlag von bestimmten dicht gepflanzten Gehölzen geerntet. Geeignet sind schnellwachsende Arten wie Weide, Pappel, Robinie und Eucalyptus und lignozellulosehaltige Pflanzen wie Rohrglanzgras und Chinaschilf. Im Frühjahr wird der Acker mit normalen landwirtschaftlichen Verfahren bearbeitet. Zwischen 10.000 und 20.000 Stecklinge pro Hektar können mit einfachen Geräten gepflanzt werden. Am Ende des ersten Jahres werden die Pflanzen zum Winter zurückgeschnitten, um das Wachstum im folgenden Jahr anzuregen. Auf diese Weise lassen sich gute Ernten erzielen. Die größten Konkurrenten sind Ackerwildkräuter, die in einem frühen Stadium der Bewirtschaftung mechanisch und/oder chemisch vernichtet werden müssen. Nach zwei Jahren beansprucht der Niederwald so viel Licht, daß andere Pflanzen unterdrückt werden. Der Einsatz von Pestiziden ist zu Beginn der Pflanzungen notwendig. Eventuell wird ein Zaun benötigt zum Schutz gegen Kaninchen. Durch den Einsatz widerstandsfähiger Arten läßt sich der Befall durch Rost (die häufigste Pilzkrankheit) zurückdrängen. Da diese Kulturen nur bescheidene Nährstoffansprüche haben, gewährleistet schon ein geringer Düngemitteleinsatz eine nachhaltige Produktion. Die Pflanzen haben eine Lebensdauer von etwa 25 Jahren. Nachdem sie im ersten Jahr angewachsen sind, kann in dreijährigen Intervallen achtmal geerntet werden. Der Landwirt kann aber auch schon früher wieder zu traditionellen Agrarkulturen zurückkehren. Weiden- und Pappelstümpfe lassen sich problemlos mit konventionellem Gerät beseitigen. Das Erntegut wird zerkleinert und zur Erzeugung von Wärme und Elektrizität eingesetzt. Niederwald ist ausdauernd und kann ohne weiteres in drei Jahren sechs Meter Höhe erreichen. Um jedes Jahr erntefähiges Material zu bekommen, werden in einer Plantage normalerweise verschiedene Abschnitte im Wechsel geschnitten. Auf diese Weise ist jedes Stadium jederzeit vorhanden. Anders als bei den meisten anderen Kulturen entsteht eine stabile Umwelt mit ganzjähriger Bodenbedeckung, die Tieren Lebensraum bietet und in die nur selten mechanisch eingegriffen wird. Zur Zeit sind die Kosten der Niederwaldwirtschaft mit den Kosten für Heizöl vergleichbar. Abgesehen von der Wirkung auf die Umwelt, die berücksichtigt werden muß, ist die so gewonnene Biomasse als einfacher Ersatz für konventionelle Brennstoffe nicht wirtschaftlich. Interessante Perspektiven bieten vorerst zwei Marktnischen: städtische Fernheizungen und Anlagen zur dezentralen Stromerzeugung. |