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Die Europäische Kommission
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Landwirtschaft und Umwelt

Aufschwung der Landwirtschaft und des Ernährungsgewerbes in Europa

Pierre Antoine BARTHELEMY, Claude VIDAL (Eurostat)

Die landwirtschaftliche Bruttowertschöpfung (BWS) nahm in den letzten sechsundzwanzig Jahren in der Europäischen Union (EU) stärker zu als in den Vereinigten Staaten und in Japan. Im Ernährungsgewerbe war diese Zunahme noch ausgeprägter. Trotz einer in konstanten Werten meist rückläufigen Preisentwicklung konnten sich die Landwirtschaft und das Ernährungsgewerbe auf die Erweiterung des Binnenmarkts und den expandierenden Weltmarkt gut einstellen. Die EU, die nach wie vor Nettoimporteur von (tierischen und pflanzlichen) landwirtschaftlichen Produkten ist, ist seit 1989 zum Nettoexporteur von Nahrungsmitteln geworden.

Die landwirtschaftliche Bruttowertschöpfung steigt, aber der Anteil der Landwirtschaft am BIP sinkt

In Europa ist die Bruttowertschöpfung zu Marktpreisen bei landwirtschaftlichen Produkten zwischen 1970 und 1986 um das Viereinhalbfache und zwischen 1986 und 1996 um das 1,2-fache gestiegen. 1996 erreichte sie 145 Mrd. ECU und übertrifft damit seit 1986 die BWS der Vereinigten Staaten. Diese Ergebnisse müssen aber aus mehreren Gründen differenziert betrachtet werden: Die BWS wird zu jeweils aktuellen Preisen ausgedrückt, die EU wurde in diesem Zeitraum durch Beitritte neuer Länder 1973, 1981, 1986 und 1995 erweitert, und das europäische Preisniveau ist höher als das amerikanische.

Der Anstieg der BWS im europäischen Agrarsektor ist eher auf Volumenzuwächse als auf Preissteigerungen zurückzuführen. Das ist insbesondere seit Mitte der achtziger Jahre der Fall; seit damals stagnieren die Preise. Gleichzeitig nahm die Produktivität pro Hektar ständig zu. Der Anstieg der BWS im Jahr 1982 ist auf eine beträchtliche Erhöhung des Produktionsvolumens zurückzuführen, jener von 1989 hingegen auf höhere Weltmarktpreise in der Viehwirtschaft. Diese Zuwächse in den Jahren 1982 und 1989 waren auch in den USA zu beobachten. Der Rückgang der BWS zwischen 1991 und 1993 hängt mit der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zusammen, die durch eine strengere Überwachung der Produktionsfaktoren - insbesondere durch die Einführung der Flächenstillegung - und eine beträchtliche Senkung der Interventionspreise (für Getreide) gekennzeichnet ist (Schaubild 1). Als Begleitmaßnahme dieser Reform erhalten die Hersteller Direktbeihilfen, um die Senkung der Interventionspreise auszugleichen. Deshalb betrug der Anteil der Subventionen am landwirtschaftlichen Nettoeinkommen 37 % im Jahr 1997 gegenüber 20 % im Jahr 1992.

Seit 1980 betrugen die durchschnittlichen jährlichen Zuwachsraten bei der BWS 2 % und bei den Vorleistungen 3 %. Die Zunahme der BWS hängt eng mit einer Steigerung des Produktionsvolumens zusammen, die wiederum den Einsatz größerer Inputmengen bewirkt.

Der Anteil der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei am europäischen BIP ging in den letzten sechsundzwanzig Jahren zurück. Er sank von 6 % im Jahr 1970 auf 3 % im Jahr 1986 und 2 % im Jahr 1996. Diese Tendenz ist vor allem auf den Aufschwung neuer Branchen, insbesondere der Dienstleistungen, die eine verhältnismäßig große Bedeutung erlangt haben, zurückzuführen. Im gleichen Bezugszeitraum verzeichnete Japan einen stärkeren Rückgang als die EU. In den Vereinigten Staaten war die Entwicklung uneinheitlicher, der allgemeine Trend war jedoch eher rückläufig. In allen drei Regionen war der Rückgang zwischen 1973 und 1980 besonders ausgeprägt (Schaubild 2).

Ausgeprägte Unterschiede innerhalb der EU

In absoluten Werten war die BWS landwirtschaftlicher Produkte 1996 in Frankreich (28 Mrd. ECU) und Italien (27 Mrd. ECU) am höchsten. Diese beiden Länder erreichten zusammen 38 % der BWS in der EU in diesem Sektor. Dies erklärt sich aus dem hohen Produktionsvolumen (insbesondere in Frankreich) und der hohen Wertschöpfung bei landwirtschaftlichen Produkten (vor allem durch den großen Anteil mediterraner Erzeugnisse in Italien). Die höchste Zuwachsrate der BWS zwischen 1970 und 1996 verzeichneten die Niederlande, deren landwirtschaftliche Tätigkeit sich mehr als verfünffachte. In den letzten zehn Jahren war die höchste Zuwachsrate in Griechenland zu beobachten, wo die BWS um das 1,6-fache stieg (Tabelle 1).

Wenn die BWS hingegen in ECU pro Einwohner ausgedrückt wird, lagen Griechenland, Dänemark und Irland (mit mehr als dem doppelten Wert) weit über dem EU-Durchschnitt, Frankreich und Italien übertrafen den Durchschnittswert nur knapp. Griechenland unterscheidet sich auffallend von den anderen EU-Staaten, weil seine BWS der landwirtschaftlichen Produkte 14 % des BIP ausmachte. Das ist mehr als sechsmal soviel wie der EU-Durchschnitt (Schaubild 3).

Einkommenssteigerungen in der Landwirtschaft, die aber hinter den anderen Sektoren zurückbleiben

Die Einkommen in der Landwirtschaft, zu verstehen als Ertrag der Produktionsfaktoren (Kapital und Arbeit), kann anhand der landwirtschaftlichen BWS pro Arbeitsplatz geschätzt werden. 

Zwischen 1983 und 1996 stieg die landwirtschaftliche Bruttowertschöpfung pro Arbeitsplatz aufgrund einer bedeutenden Erhöhung der BWS und einer Verringerung der landwirtschaftlichen Arbeitsplätze jährlich um durchschnittlich 4 % (werden die Arbeitsplätze in LAE ausgedrückt, sind es 3%). Im Hinblick auf die landwirtschaftliche BWS pro Arbeitsplatz waren in der EU große Unterschiede zu verzeichnen. Dänemark und die Niederlande, die intensive Landwirtschaft mit beträchtlicher Wertschöpfung betreiben, wiesen eine sehr hohe BWS pro Arbeitsplatz auf (Schaubild 4 und Schaubild 5).

Die Analyse von BWS und Beschäftigung ermöglicht eine Aussage über die Einkommensparität zwischen den Sektoren. Parität zwischen den Sektoren liegt vor, wenn die landwirtschaftliche Bruttowertschöpfung (BWS) pro landwirtschaftlichem Arbeitsplatz dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Arbeitsplatz entspricht. In der Landwirtschaft liegt die BWS pro Arbeitsplatz überall unter dem Durchschnittswert aller Sektoren. Einer der Gründe dafür ist die große Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Arbeitskräfte, insbesondere der Teilzeitkräfte. Damit ist zwar die Produktivität der Landwirtschaft nicht besonders groß, sie stellt aber in bestimmten Regionen der EU einen Schlüsselbereich für die Beschäftigung dar (siehe Entwicklung der Beschäftigungssituation in der Landwirtschaft).

Dänemark bildet jedoch mit einem einheitlichen Paritätsindex eine Ausnahme. Die niedrigsten Paritätsindizes (unter 0,4) sind in Österreich, Portugal, Deutschland und Luxemburg zu verzeichnen. In diesen vier Ländern besteht nach wie vor ein großer Einkommensunterschied zwischen der Landwirtschaft und den anderen Sektoren (Schaubild 6).

Dynamik im europäischen Ernährungsgewerbe

Das europäische Ernährungsgewerbe verzeichnete in den letzten Jahren im Vergleich zur Landwirtschaft eine wesentlich nachhaltigere Entwicklung. Die BWS zu Marktpreisen des Ernährungsgewerbes hat sich hier zwischen 1970 und 1986 versechsfacht und zwischen 1986 und 1996 verdoppelt. Bedeutende Zuwächse waren bei den beiden Erweiterungen der Union in den Jahren 1973 und 1986 zu verzeichnen. Diese beträchtliche Steigerung in absoluten Zahlen entspricht jedoch einem leichten Rückgang des Beitrags zum BIP (3 % im Jahr 1996 gegenüber 4 % 1970 und 1986). Für diese positive Entwicklung gibt es viele Gründe, insbesondere können folgende angeführt werden:

  • die Bildung von großen ernährungswirtschaftlichen Unternehmensgruppen, die dem Sektor Dynamik verleihen;
  • die Änderungen in der Vermarktung, gemeinsam mit der Entwicklung von Großformen des Handels;
  • der tiefgreifende Wandel in der Lebensweise der Verbraucher, die immer höhere Qualität und ein vielfältigeres Angebot fordern;
  • die Ausweitung der internationalen Märkte und die Globalisierung der Wirtschaft (Schaubild 7).

Die gleiche Spitzengruppe in der Landwirtschaft wie im Ernährungsgewerbe

Deutschland (43 Mrd. ECU), das Vereinigte Königreich (34 Mrd. ECU), Frankreich (33 Mrd. ECU), Italien (23 Mrd. ECU) und Spanien (19 Mrd. ECU) wiesen 1996 die höchsten Bruttowertschöpfungen im Ernährungssektor aus. Diese fünf Länder vereinigten auf sich über 80 % der in diesem Sektor in Europa produzierten Werte. Dieselben fünf Länder lagen auch bei der landwirtschaftlichen Produktion an der Spitze, allerdings in anderer Reihenfolge. Luxemburg, Frankreich und die Niederlande zeichneten sich durch ihre dynamische Entwicklung seit 1970 aus, ihre Wachstumsraten lagen über dem Durchschnitt. Das französische Ernährungsgewerbe nimmt somit in der Wirtschaft des Landes eine wichtige Stellung ein und ist gleichzeitig einer der modernsten Sektoren. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl verzeichnete Dänemark die höchste BWS der EU, gefolgt von Irland, Belgien und Luxemburg (Schaubild 8 und Tabelle 1).

Wenn der gemeinsame Beitrag der Landwirtschaft und des Ernährungsgewerbes zur gesamten BWS betrachtet wird, ist klar ersichtlich, daß diesen beiden Wirtschaftszweigen in Portugal, Irland und Griechenland sehr großes Gewicht zukommt. In Portugal war das Ernährungsgewerbe bedeutender, in Griechenland und in geringerem Umfang auch in Irland kommt der Landwirtschaft größere Bedeutung zu. Das Vereinigte Königreich, Belgien und Deutschland konzentrierten sich eher auf die Verarbeitung als auf die Produktion (Schaubild 9).

Die EU bleibt Nettoimporteur

Die EU nimmt auf dem Weltmarkt für landwirtschaftliche Produkte und Nahrungsmittel einen bevorzugten Platz ein. Hier stieg das Volumen der gehandelten rohen und verarbeiteten Erzeugnisse in den letzten Jahren beträchtlich (Kasten 1). Der EU-interne Markt ist nach wie vor begrenzt, und für diese Produkte müssen neue Absatzmöglichkeiten auf einem streng regulierten Weltmarkt gefunden werden. Die innergemeinschaftlichen Aus- und Einfuhren betragen 76 % bzw. 65 % des gesamten Handels.

Die Handelsbilanz dieser Produkte weist ein Defizit aus. Diese negative Bilanz ist auf den stark defizitären Handel mit Roherzeugnissen zurückzuführen (17,5 Mrd. ECU Ausfuhren gegenüber 29,6 Mrd. ECU Einfuhren). Dagegen entwickelte sich die Bilanz bei den verarbeiteten Erzeugnissen immer günstiger für die EU. 1997 erreichte der Wert der Ausfuhren 1,2 Mrd. ECU und jener der Einfuhren 0,2 Mrd. ECU. Zwischen 1989 und 1997 stiegen die Ausfuhren auf das 17-fache und die Einfuhren auf das 6-fache (Schaubild 10).

Eine Aufschlüsselung des Warenverkehrs nach Produkten zeigt, daß die wichtigsten Nettoexporterzeugnisse der EU Getränke – vor allem Wein - und in geringerem Umfang Milcherzeugnisse, Zubereitungen aus Getreide sowie Fleisch und Innereien sind. Hingegen ist die EU Nettoimporteur von Früchten und Gemüse – unter anderem Bananen und alle tropischen Früchte, die nicht in der EU erzeugt werden – und Nettoimporteur von Tropenprodukten wie Kaffee, Tee, Kakao und Gewürzen.

Unterschiedliche Bilanzen in den einzelnen Mitgliedstaaten

Die Mitgliedstaaten der EU können im Hinblick auf den Handel mit Roherzeugnissen und verarbeiteten Erzeugnissen im Jahr 1997 in folgende Gruppen eingeteilt werden:

  • Länder mit hohem Exportüberschuß: die Niederlande 1, insbesondere aufgrund der Ausfuhren von lebenden Pflanzen und Waren des Blumenhandels, Frankreich mit Ausfuhren von Getränken und Dänemark mit Ausfuhren von Fleisch und Innereien.
  • Länder mit hohem Importüberschuß: Deutschland und das Vereinigte Königreich, mit einer starken Nachfrage nach Früchten und Gemüse, Italien, das Fleisch und Innereien einführt.
  • Die Niederlande (17,6 Mrd. ECU) und Frankreich (15,3 Mrd. ECU) sind die größten Exporteure von Roherzeugnissen und verarbeiteten Erzeugnissen. Bei vier Ländern übersteigen die Einfuhren insgesamt die 10 Mrd. ECU-Grenze : Deutschland an der Spitze (18,1), das Vereinigte Königreich (12,4), Frankreich (11,2) und Italien (10,5) (Schaubild 11 und Tabelle 2).

Auf dem Weg zu einer europäischen Agrarpolitik, die Umweltbelange und die Entwicklung des ländlichen Raums berücksichtigt

Zwischen Agrar- und Umweltökonomen besteht generell darüber Einigkeit, daß die Existenz der gemeinsamen Agrarpolitik, die über Jahrzehnte hinweg hohe Preise garantierte, zu einer Intensivierung und Spezialisierung der agrarischen Produktion beigetragen hat. Folgen sind negative Auswirkungen auf die Umwelt, die Landschaft und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte. 

Die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik im Jahr 1992 stellte einen Wendepunkt dar. Die festgelegten Preise für Getreide, Rind- und Kalbfleisch wurden gesenkt und die Garantien der unbeschränkten Abnahme für landwirtschaftliche Produkte wurden reduziert oder gar ganz beseitigt, wie zum Beispiel für Öl Saaten, Eiweiß Pflanzen oder Fleisch. Dieser Trend setzte sich mit der Reform der Organisation des gemeinsamen Marktes für Obst, Gemüse und Olivenöl fort. Diese Veränderung der GAP hatte zwei unterschiedliche Auswirkungen auf das Verhalten der Bauern: einerseits ein Anstieg einer „vernünftigen" Landwirtschaft, andererseits eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion. Es wurde somit ein rationalerer Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln festgestellt. Nach der Absenkung der Preise sowie mit der Unsicherheit der Landwirte nach den Reformen fiel zunächst der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, er nahm allerdings mit dem Anstieg der Preise auf dem Weltmarkt und innerhalb der Gemeinschaft wieder zu. Es ist noch zu früh die Folgen der Wiedereinführung der Preismechanismen aufgrund der Statistiken über den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln von 1989 und 1999 zu beurteilen.

Die Reform der CAP 1992 förderte auch den Anbau erneuerbarer Rohstoffe, die nicht Ernährungszwecken dienen, insbesondere auf stillgelegten Flächen. In gleicher Weise stellt die Nutzung von Biomasse zur Energieproduktion eine Diversifikation landwirtschaftlicher Betriebe dar und trägt zur Schaffung neuer Arbeitsplätze in ländlichen Gebieten bei. Auf der Seite der Maßnahmen, die potentiell positive Auswirkungen auf die Umwelt haben, sollten auch die freiwillige oder verpflichtende Flächenstillegung berücksichtigt werden, wenn das System richtig verwaltet wird. 

Darüber hinaus hat die Senkung der Getreidepreise die Intensivtierhaltung in den Getreidezonen attraktiver gemacht, weg von den Regionen nahe der Einfuhrhäfen (für Futtermittel), in denen Probleme der Umweltbelastung, vorwiegend der Nicht-Respektierung der Nitrat-Direktive, häufiger beobachtet werden können. Der Standortvorteil dieser Regionen, bestehend aus einem bevorzugten Zugang zu Tierfutter aus Drittländern dank unausgeglichener Zolltarife, vermindert sich.

Im Gegensatz dazu hatten andere Elemente der Reform negative Effekte auf die Umwelt. Teilweise waren die Einführung der Maßnahmen auf Gemeinschaftsniveau selbst, teilweise aber auch die Art und Weise wie Mitgliedstaaten diese Maßnahmen ausgelegt haben, dafür verantwortlich. Ein gutes Beispiel für ersteres war die Ausdehnung von Getreidehilfen auf Silomais; diese wurde von der Kommission nicht vorgeschlagen, aber von den Europäischen Landwirtschaftsministern beschlossen. Dies unterstützte den komparativen Vorteil intensiver Tierhaltung, insbesondere der Milchkuhhaltung, zum Schaden einer extensiven Viehhaltung.

Prämien für Rind und Kalbfleisch sind ein zweites Beispiel für die Unterschiedlichkeit der Beschlüsse des Rates und den Vorschlägen der Kommission. Die Kommission schlug spezielle Prämien für Rinder und Ammenkühe, Färsen ausgenommen, vor, die allerdings durch Obergrenzen beschränkt werden sollten 2. Dies sind generell extensiv wirtschaftende Betriebe, deren Fleisch keine Absatzprobleme hat. Die endgültige Entscheidung beinhaltete die Ausdehnung dieser Prämien auf die ersten beiden Vieheinheiten pro Hektar des Betriebes, die Färsen blieben weiterhin ausgeschlossen, d.h. extensive Tierzüchter sind benachteiligt. Um eine gewisse Kompensation dafür zu erreichen wurde eine zusätzliche Prämie für Extensivierung gewährt, für landwirtschaftliche Betriebe mit weniger als 1.4 GVE pro Hektar.

Seit der Reform der GAP im Jahr 1992 wurden auf europäischer Ebene Maßnahmen zur Förderung des Umweltschutzes in der Landwirtschaft eingeführt, um den Einsatz von umweltfreundlicheren Erzeugungsmethoden zu begünstigen. Daher konnte durch Anreize

  • für umweltgerechte Produktionsverfahren (Verordnung Nr. 2078/92 des Rates, siehe Kasten 2
  • und der gemeinschaftlichen Beihilferegelung für Aufforstungsmaßnahmen in der Landwirtschaft (Verordnung Nr. 2080/92 des Rates) 

trotz der begrenzten Haushaltsmittel der ökologische Landbau gefördert werden, der 1996 von 1 % der landwirtschaftlichen Betrieben der EU (EU 15) ausgeübt wurde. Weiterhin konnten innerhalb von vier Jahren über eine halbe Million Hektar Land aufgeforstet werden. 

Die Senkung der Garantiepreise hatte keine dramatischen Auswirkungen auf das Einkommen der Landwirte, wie sie von vielen Gegnern der Reform vorausgesagt wurden. Das landwirtschaftliche Pro-Kopf-Einkommen stieg zwischen 1992 und 1996 um 4,1% pro Jahr 3 (Quelle: Strukturerhebung). Folgende Gründe sind hier zu nennen:

  • direkte Ausgleichszahlungen
  • hohe Anpassungsfähigkeit der Landwirte
  • stabile Weltmarktpreise. Während der Marktperioden 1995/96 und 1996/97 wurden Abgaben für den Export von Weizen und Hartweizen erhoben, um eine ausreichende Versorgung des Binnenmarktes zu gewährleisten.
  • ein stärker als erwarteter Anstieg des Getreidekonsums für Tierfutter
  • Währungsabwertungen, von denen einige Mittgliedstaaten betroffen ware.

Man kann daraus schließen, daß aus Sicht der Umwelt die Reform der GAP einen Schritt in die richtige Richtung war, auch wenn verschiedene Maßnahmen einen gegenteiligen Effekt hatten. Auf jeden Fall ist es weiterhin notwendig, Aspekte der Umwelt und der nachhaltigen Entwicklung in die GAP zu integrieren. 

Hinsichtlich Bodenbedeckung und Landschaften sollte nicht vergessen werden, daß die europäischen Landwirte 44 % der Fläche Europas als landwirtschaftliche Nutzflächen (LF) verwalten und pflegen. Wenn man die übrigen Flächen berücksichtigt, die sie in Eigenbesitz oder Pacht nutzen, dann verwalten sie über die Hälfte des europäischen Territoriums. Daher darf die Landwirtschaft in gar keinem Fall ausschließlich auf ihre Rolle als Produzent wirtschaftlicher Güter beschränkt werden, der 2 % des BIP der EU umfaßt. 

Außerdem ist eine starke Tendenz der Landwirte, mehrere Tätigkeiten auszuüben, festzustellen: EU-weit sind im Jahr 1997 15 % der Landwirte in ihren Betrieben teilzeitbeschäftigt. Neue Tätigkeiten entstehen, die auch neue Quellen für zusätzliche Einkommen erschließen. Seit einigen Jahren entwickeln sich in Europa die Bereiche Agro- Tourismus und Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse auf dem Bauernhof. 

Die Vorschläge der Kommission im Rahmen der Agenda 2000 bestätigt diese Orientierung. Reduktion der Preise, Herabsetzung der Interventionsgarantien, Anstieg direkter Beihilfen, Anpassung der angesprochenen Hilfen, Verstärkung der Umweltverpflichtungen der Landwirte einerseits und positive Agrar- Umweltmaßnahmen andererseits sowie Entwicklung des ländlichen Raumes stellen die verschiedenen Instrumente dar, die zusammengenommen einen Beitrag zu einer kohärenteren und effektiven Integrationsstrategie liefern.


1 Möglicherweise erscheint jedoch die Einschätzung des Handelsvolumens durch den umfangreichen Transit von landwirtschaftlichen Erzeugnissen im Rotterdamer Hafen verzerrt.
2 Benachteiligte Gebiete: 1.4 GVE pro ha Futterfläche; andere Gebiete: 2 GVE pro ha Futterfläche
3 Dieses Ergebnis ist ein Durchschnittswert. Es hängt zum einen mit einem starken Rückgang der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zusammen, und zum anderen hängt es von ihrer jeweiligen betriebswirtschaftlichen Ausrichtung (BA) ab und kann sich von Land zu Land unterscheiden.


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