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Landwirtschaft und Umwelt

Die Auswirkungen der Agrar-Umweltmaßnahmen

Zusammengestellt von Frank Fay

Jeder siebte landwirtschaftliche Betrieb hat inzwischen Verträge im Rahmen der Agrarumweltprogramme unterzeichnet, und die darin vorgesehenen Umweltdienstleistungen beziehen mehr als 20% der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Europa ein. Dies ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. Das Ziel des 5. Umweltaktionsprogramms, bis zum Jahr 2000 15% der landwirtschaftlich genutzten Fläche zu erfassen, ist also bereits übererfüllt. Die Verpflichtung der Mitgliedstaaten, die Verordnung in ihrem gesamten Gebiet entsprechend den jeweiligen Erfordernissen anzuwenden führte zu einer raschen Verbreitung der Initiativen und Maßnahmen, die anderenfalls für die Konzeption und Entwicklung viele Jahre in Anspruch genommen hätten. Die Ergebnisse der Programme sind im großen und ganzen positiv und zeigen, daß die Agrarumweltprogramme durch die Verringerung des Einsatzes von N-Dünger, verbesserte Produktionstechniken, Naturschutzmaßnahmen und Erhaltung von Landschaftselementen erheblich zur Verbesserung der Umwelt beigetragen haben. In einigen Fällen ist ein Anstieg der Beschäftigung zu verzeichnen, etwa wo arbeitsintensives Umweltmanagement an die Stelle einer wenig arbeitsintensiven Tätigkeit getreten ist. Aus den Evaluierungsberichten wird deutlich, daß die Programme diese positiven Umwelteffekte zu verhältnismäßig geringen Kosten erreicht haben: Ihr Anteil am EAGFL-Haushalt beträgt lediglich 4%.

Jeder fünfte Hektar fällt unter ein Agrarumweltprogramm

Die Ratsverordnung (EG) Nr. 2078/92 bezüglich der Agrarumweltmaßnahmen sieht Programme vor, die Landwirten Anreize für umweltverbessernde Maßnahmen bieten. Für die Kosten und Einkommensausfälle aufgrund der Durchführung solcher Maßnahmen erhalten die Landwirte einen finanziellen Ausgleich (vgl. Kasten 1).

Die Verordnung flankiert die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik, die 1992 mit Änderungen der wichtigsten Marktorganisationen eingeleitet wurde. Neben Maßnahmen im Bereich der Bodenbewirtschaftung sieht die Verordnung auch Lehrgänge und Praktika sowie Demonstrationsvorhaben zur Förderung umweltschonender Techniken und einer guten landwirtschaftlichen Praxis vor. 

Die Programme werden von den regionalen bzw. nationalen Behörden im Rahmen eines dezentralisierten Managementsystems verwaltet; die Programme sind von der Kommission zu genehmigen. Für die Durchführung sind im allgemeinen die landwirtschaftlichen Behörden zuständig; die Umweltbehörden werden bei der Programmentwicklung, Umsetzung, Überwachung und Bewertung hinzugezogen. In einigen Fällen werden die Programme auch durch Umweltbehörden umgesetzt. Der in der Ratsverordnung bewußt vorgesehene flexible administrative Rahmen hatte zur Folge, daß sich in den Mitgliedstaaten eine Vielzahl unterschiedlicher Programmstrukturen entwickelten (vgl. Kasten 2).

Die Programmkosten werden zum Teil aus dem EU-Haushalt finanziert; dieser Anteil beträgt in den Ziel-1-Regionen 75% und in den übrigen Gebieten 50%. Die Ausgaben aus dem EAGFL, Abteilung Garantie, beliefen sich im Jahr 1997 auf 1,5 Mrd. €, im Jahr 1998 auf 1,3 € und werden im Jahr 1999 schätzungsweise 1,9 Mrd. € betragen. Dies macht etwa 4% der Ausgaben des EAGFL, Abteilung Garantie, aus.

In den drei neuen Mitgliedstaaten beziehen die Agrarumweltmaßnahmen mehr als 50% der landwirtschaftlich genutzten Fläche ein. Damit lagen diese Länder 1998 deutlich über dem EU-15-Durchschnitt von 20% (EU-12: 16%). Weitere vier Mitgliedstaaten liegen ebenfalls über dem Durchschnitt, und zwar Luxemburg (76%), Deutschland (39%), Irland (24%) und Frankreich (23%) (vgl. Karte 1). Bei drei Mitgliedstaaten (Belgien, Griechenland und die Niederlande) ist eindeutig eine unterdurchschnittliche Beteiligung zu verzeichnen: In diesen Ländern sind weniger als 2% der landwirtschaftlich genutzten Fläche durch Agrarumweltverträge erfaßt (vgl. Karte 2). Das Ziel des fünften Umweltaktionsprogramms, mindestens 15% der landwirtschaftlich genutzten Fläche in der EU abzudecken, ist somit auf EU-Ebene bereits übererfüllt, wenngleich festzuhalten ist, daß die Inanspruchnahme in sechs Mitgliedstaaten unter 15% liegt. Die Agrarumweltverordnung sieht vor, daß die Mitgliedstaaten die einschlägigen Maßnahmen in ihrem gesamten Gebiet entsprechend den jeweiligen Erfordernissen durchführen. Auch in bezug auf den Anwendungsgrad der Programme zeigt sich je nach Mitgliedstaat ein unterschiedliches Bild. In Deutschland und Frankreich lag der Grad der Programmanwendung seit 1994 über dem Gemeinschaftsdurchschnitt; in den neuen Mitgliedstaaten wurde ab 1996 ein erheblicher Anstieg festgestellt, wogegen das Programm in Luxemburg erst ab 1997 in vollem Umfang zur Anwendung kam. Bei den übrigen Mitgliedstaaten entspricht der Anstieg dem Gemeinschaftsdurchschnitt, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Die einzige Ausnahme bildet Irland. Was den Anteil der einbezogenen landwirtschaftlich genutzten Flächen betrifft, so ist in den Ziel-1-Gebieten weniger Fläche erfaßt als in den übrigen Gebieten: Im Gemeinschaftsdurchschnitt beträgt dieser Anteil 10% in Ziel-1-Gebieten bzw. 28% in den übrigen Gebieten. In Spanien ist das Verhältnis umgekehrt: In den Ziel-1-Gebieten sind 3,7% und in den übrigen Gebieten 0,1% von diesen Programmen erfaßt. In Österreich liegt eine ähnliche Verteilung vor: 1998 wurde das Programm in Ziel-1-Gebieten auf 85% der Fläche, aber auf 67% der Fläche der übrigen Gebiete durchgeführt (vgl. Tabelle 1 und Schaubild 1).

Zwar sagt der Anteil der in einem Mitgliedstaat in Agrarumweltprogramme einbezogenen Fläche nichts über die Qualität der Umsetzung aus, doch kann angenommen werden, daß in den Mitgliedstaaten mit besonders geringer Anwendung die Landwirtschaft insgesamt von Umweltmaßnahmen kaum beeinflußt wird. Dies wäre sicherlich ein Zeichen einer weniger konsequenten Integration von Umweltbelangen in die GAP. 

Jeder siebte landwirtschaftliche Betrieb nimmt an Agrarumweltprogrammen teil

Beim Vergleich der Anzahl der teilnehmenden Betriebe (Stand 15.4.1998) mit der Anzahl der Betriebe insgesamt (Stand 1995) zeigen sich große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. In der EU-14 (ohne Deutschland) nimmt jeder siebte Betrieb an einem Agrarumweltprogramm teil. Diese Zahl wird allerdings stark durch die hohe Beteiligung in den neuen Mitgliedstaaten – 78% in Österreich, 77% in Finnland und 64% in Schweden - beeinflußt, die erheblich über dem EU-11-Durchschnitt (9%) liegt (Tabelle 2).

Luxemburg (60%) und in Portugal (30%) sind zwei weitere Staaten mit überdurchschnittlicher Beteiligung an den Programmen. Bei den übrigen Mitgliedstaaten bleiben Belgien, Griechenland, Spanien, Italien und die Niederlande mit einer Beteiligung von weniger als 7% deutlich hinter dem EU-Durchschnitt zurück. 

Der Prozentsatz der Betriebe, die Verpflichtungen übernehmen, liegt in den Nicht-Ziel-1-Regionen höher als in den Ziel-1-Regionen. In der EU-14 beteiligen sich 20% der Betriebe in Nicht-Ziel-1-Regionen und nur 7% der Betriebe in den Ziel-1-Regionen an den Programmen. In der EU-11 beträgt der Anteil 10,5% bzw. 7%. Dies ist zum Teil auf die geringe Inanspruchnahme in den Mitgliedstaaten zurückzuführen, in denen ein Großteil des Gebiets unter Ziel 1 fällt, sowie auf die verhältnismäßig starke Umsetzung in Mitgliedstaaten mit einem geringeren Anteil von Ziel-1-Regionen. Die Erklärung dafür ist in dem Umstand zu sehen, daß die betreffenden Staaten in der Politik und Haushaltsplanung unterschiedliche Prioritäten setzen.

Vielfältige Maßnahmen

Mit den Agrarumweltprogrammen sollen alle Aspekte der Wechselwirkung von Landwirtschaft und Umwelt abgedeckt werden. Die Umweltmaßnahmen werden üblicherweise nach ihren Auswirkungen auf die Luft, die Artenvielfalt, die Landschaft, Boden und Land oder Wasser eingeordnet. Die Maßnahmen und Verpflichtungserklärungen der Landwirte betreffen jeden Aspekt der landwirtschaftlichen Tätigkeit einschließlich der Pflege nicht genutzter Flächen wie z. B. der Feldränder. Hierbei ist darauf hinzuweisen, daß alle Agrarumweltmaßnahmen den jeweiligen ortsspezifischen Gegebenheiten Rechnung tragen, denn es gibt nur wenige Maßnahmen, die sich in jedem Fall und auf jeden Bodentyp günstig auswirken. In der Regel müssen die Maßnahmen auf die spezifischen landwirtschaftlich-ökologischen Bedingungen zugeschnitten werden. In Tabelle 3 findet sich eine Klassifizierung der in den bisherigen Programmen durchgeführten Maßnahmen. Die wichtigsten Kategorien sind hierbei der Einsatz von Betriebsmittel, die Nutzung von Grünland, der Anbau von Acker- und Dauerkulturen und die Landschaftspflege. Außerdem sind in der Tabelle die möglichen Umweltauswirkungen der einzelnen Verpflichtungserklärungen aufgeführt. Nur eine geringe Zahl der Verpflichtungserklärungen haben Auswirkungen lediglich auf einen oder zwei der genannten Umweltaspekte. 

In den folgenden Abschnitten sollen einige der Auswirkungen erörtert werden, die in den Berichten der Mitgliedstaaten genannt wurden. Die entsprechenden Informationen wurden dem Arbeitspapier VI/7655/98 1 vom 9.11.1998 entnommen. 

Verwendung von Betriebsmitteln

Bei der Verringerung des Düngemittel- und Pestizideinsatzes ist eine Verringerung der Auswaschung nur dann zu erwarten, wenn im Ergebnis der Bilanzüberschuß von verwendeter Menge und Aufnahme durch die Pflanzen (einschließlich einiger kleinerer Absorptionseffekte) verringert wird. In solchen Fällen hatte die Reduzierung der verwendeten Betriebsmittel auch den Rückgang der Phosphorkonzentration im Oberflächenwasser und die Verringerung der Nitratkonzentration im Oberflächen- und Grundwasser zur Folge. Außerdem zeigt sich, daß die Verringerung bzw. der Verzicht auf Düngemittel eine Erhöhung der Artenvielfalt mit sich bringt und die Ansiedlung empfindlicherer Arten ermöglicht. Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn er mit anderen die Artenvielfalt fördernden Bewirtschaftungsmaßnahmen kombiniert wird. Bei der Drosselung des Pestizideinsatzes wurde neben der Erhöhung der Artenvielfalt auch ein Rückgang der Trinkwasserbelastung festgestellt. 

In vielen Programmen finden sich spezifische Verfahren zur Verringerung der Betriebsmittel, die den Landwirten Anreize geben, Verfahren der integrierten Produktion (IP) oder des ökologischen Landbaus einzuführen. Bei der IP werden weniger Pestizide eingesetzt, wobei die Verringerung aber je nach Verfahren unterschiedlich stark ist. Es gibt keine einheitliche Welt- oder EU-Norm für die integrierte Produktion, obwohl sich einige Verfahren weitgehend durchgesetzt haben. Die Verringerung des Düngemitteleinsatzes gegenüber den für die einzelnen Kulturen empfohlenen Mengen ist auch von Programm zu Programm unterschiedlich. Beim ökologischen Landbau wird durch den Einsatz natürlicher Pflanzenschutzverfahren letztlich völlig auf synthetische Pestizide verzichtet. Auch die eingesetzte Düngemittelmenge dürfte in praktisch allen Fällen zurückgehen. 

Die Daten für Finnland, wo das Programm „GAEPS" auf über 80% der landwirtschaftlich genutzten Fläche zur Anwendung kommt, zeigen eine 10-30%ige Verringerung des Düngemitteleinsatzes und eine 34%ige Verringerung des Pestizideinsatzes. In Österreich, wo ebenfalls ein Großteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche von den Programmen abgedeckt wird, wurde der Pestizideinsatz bei den Ackerkulturen um 7% und bei den Dauerkulturen um 30% gesenkt. Außerdem wurden bei diesen Maßnahmen Ertragsrückgänge verzeichnet. In Sachsen führten die allgemeinen Beschränkungen für alle an den Programmen beteiligten Betriebe bei den Ackerkulturen zu einem 7%igen Ertragsrückgang; noch stärker war dieser Rückgang in den Betrieben, die an den anspruchsvolleren Maßnahmen teilnahmen. 

Ökologischer Landbau

Die wichtigsten Umwelteffekte des ökologischen Landbaus zeigen sich in der Erhöhung der Artenvielfalt und der Verbesserung des Bodengefüges. In Fällen, in denen der nachhaltige Einsatz von organischen Düngemitteln vorgesehen ist, verbessert sich durch die Senkung des Stickstoffbilanzüberschusses auch die Trinkwasserqualität. Analysen in Deutschland haben ergeben, daß Betriebe, die ökologischen Landbau betreiben, gegenüber den übrigen Betrieben weniger Betriebsmittel einsetzen und eine geringere Nährstoffkonzentration aufweisen, wodurch wiederum weniger Nährstoffe in das Grundwasser bzw. in die Atmosphäre gelangen. Die Merkmale des ökologischen Landbaus wie Verzicht auf Pestizide, weite Fruchtfolgen und ein verstärkter Einsatz von organischen Substanzen tragen dazu bei, die Artenvielfalt zu fördern und zu erhalten. Diese Wirkung ist jedoch nicht unbegrenzt, denn allein durch den ökologischen Landbau ist ein umfassender Schutz der Artenvielfalt nicht zu gewährleisten. Für die Artenvielfalt der Fauna sind weitere Umweltschutzmaßnahmen wie z. B. die Anlage von Biotopgebieten und strukturelle Maßnahmen erforderlich. Was die sozioökonomischen Auswirkungen betrifft, so ist in Dänemark ein deutlicher Beschäftigungszuwachs in biologischen Betrieben (zwischen 16% und 38%) zu verzeichnen. Im Kapitel „Ökologischer Landbau" wird die Zunahme der ökologisch bewirtschafteten Fläche genau erläutert. Der Umfang, in dem diese Zunahme mit der Ausweitung der Agrarumweltprogramme einhergeht bzw. auf diese zurückzuführen ist, ist je nach Mitgliedstaat unterschiedlich. Sehr gering ist die Wechselwirkung in den Niederlanden und in gewissem Umfang auch im Vereinigten Königreich; in Österreich, Finnland und Italien ist der Effekt dagegen deutlich erkennbar. 

Änderungen der Bodennutzung

Mehrere Maßnahmen zielen darauf ab, die Umweltverträglichkeit der Landwirtschaft durch Veränderungen bei der Bodennutzung zu verbessern. So haben die meisten Mitgliedstaaten langfristige Maßnahmen zur Flächenstillegung durchgeführt, um die Wasserressourcen zu schützen und Biotopreservate zu schaffen. Dies hat im allgemeinen zur Folge, daß keine Betriebsmittel mehr zugeführt werden und sich Wildpflanzen ansiedeln können. Bei den Maßnahmen zur Förderung von Biotopen wurden erhebliche landschaftliche Veränderungen und Verbesserungen der Habitate festgestellt. So finden sich in den Feuchtgebieten, die in der Emilia Romagna (Italien) nach Stillegungen im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen angelegt wurden, zwischen 7% und 100% der Nistplätze von zwölf ausgewählten seltenen Wildvogelarten. Außerdem umfassen die Änderungen der Bodennutzung die Umwandlung von Ackerflächen in extensive Grünflächen, Änderungen bei den Kulturen und Fruchtfolgen. Zur Erhaltung der Artenvielfalt werden in einigen Fällen Maßnahmen zur Umwandlung von intensivem Grünland in extensiv genutzte Ackerflächen durchgeführt. Mehrere Programme zielen darauf ab, den intensiven Ackerbau durch die Wiedereinführung umweltfreundlicher Fruchtfolgen und die Anlage von Dauergrünflächen zu ersetzen. Diese Änderungen sind auch wichtige Bestandteile des ökologischen Landbaus. Die Änderungen wirken sich insbesondere positiv auf das Bodengefüge aus. Im Ackerbau führen die Anpflanzung von Wintergetreide als Deckfrucht, Untersaaten und das Stehenlassen der Getreidestoppeln bzw. des Unkrauts zu einer deutlichen Reduzierung der Nitratauswaschung. 

Seltene Zuchtrassen

Dreizehn Mitgliedstaaten haben die Haltung seltener Zuchtrassen gefördert, deren Bestand aufgrund ihrer Unwirtschaftlichkeit bedroht ist. Ein Vergleich mit den FAO-Daten über seltene Nutzrassen 2 zeigt eine Übereinstimmung von durchschnittlich 35% bis 45% mit den Nutzrassen der Agrarumweltprogramme. Zunächst waren nur Rinder, Schafe, Equiden und Ziegen Gegenstand der Maßnahmen (Tabelle 4).

Der Wert der (gefährdeten oder sonstigen) regionaltypischen Zuchtrassen für die Landschaftspflege rückt zunehmend in Vordergrund. Bislang wird allerdings erst in wenigen Programmen eine Verbindung zwischen Zuchtrassen und Grünlandbewirtschaftung im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen hergestellt.

Vernachlässigte oder aufgegebene landwirtschaftliche Flächen

Vernachlässigtes oder aufgegebenes Land kann an ökologischem Wert verlieren. Wird überschüssige Biomasse nicht durch Beweidung abgebaut, so kann dies zu Brand- oder Lawinengefahr führen. Im allgemeinen führt die Aufgabe traditioneller Bewirtschaftungsverfahren zu einem Verlust der Artenvielfalt, etwa wenn extensives Weideland durch Verbuschung oder Bewaldung abgelöst wird. Einige Programme in den betroffenen Gebieten haben diese Probleme zum Gegenstand. Dabei wird insbesondere versucht, die Landwirte zur Fortführung unrentabler, zur Erhaltung des ökologischen Werts aber notwendiger Tätigkeiten anzuhalten. Für aufgegebene Flächen gibt es (insbesondere in Italien) Programme, um den ökologischen Wert dieser Flächen weitgehend zu erhalten. In Frankreich und Schweden wird die Wiederherstellung des ökologischen Werts durch Rekultivierung ehemals landwirtschaftlich genutzter und inzwischen mit Bäumen und Sträuchern bewachsener Flächen gefördert. 

Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt: Wie lassen sich die Veränderungen überwachen? 

Viele Programme enthalten gezielte Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt auf Grünland. Im Rahmen dieser Programme verpflichten sich die Landwirte u. a. zur Reduzierung der Besatzdichte, zur Fortsetzung landwirtschaftlicher Tätigkeiten, zur Drosselung bzw. zum Verzicht auf Betriebsmittel, zur Erhöhung des Grundwasserspiegels usw. Da diese Maßnahmen auf bestimmte Gebiete zugeschnitten sind, sind die Umweltauswirkungen häufig von standortspezifischen Bedingungen abhängig. Dies erschwert die Festlegung geeigneter Monitoring-Indikatoren. Das Programm „Umweltsensible Gebiete" (ESA - Environmentally Sensitive Areas) des Vereinigten Königreichs bietet ein Beispiel für die Auswahl geeigneter Indikatoren. Im ESA-Programm für Fermanagh und Erne Lakeland (Nordirland) wurden zuerst bei der Einführung 1993 und dann erneut 1996 Untersuchungen durchgeführt. Das Programm hat zum Ziel, die ökologischen Bedingungen der Habitate wie z. B. Heideland, Heuwiesen, Feuchtweiden und Kalkgrünland zu schützen und zu verbessern. Um Ausgangsdaten zu sammeln, erhoben die Wissenschaftler zu Beginn der Maßnahmen in den verschiedenen Habitaten Daten bezüglich der Pflanzen und wirbellosen Tieren. Der Erfolg des Programms in bezug auf die Erhaltung oder Erhöhung der Artenvielfalt wurde gemessen, indem man Daten miteinander verglich, die von teilnehmenden bzw. nichtteilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebe erhoben worden waren. Mit Hilfe von genauen, auf den Feldern gesammelten botanischen Daten untersuchten die Forscher Art und Häufigkeit insbesondere solcher Pflanzen, die in ökologisch wertvollen Lebensräumen gedeihen, aber empfindlich gegen intensive landwirtschaftliche Praktiken sind. Als Indikator für wirbellose Tiere wurde das Auftreten von an das Zielhabitat angepaßten Spinnen- und Käferarten zugrunde gelegt. Die Untersuchungen ergaben, daß bei den am ESA-Programm beteiligten Betrieben in einigen Habitaten die Artenvielfalt leicht angestiegen war und in anderen die Abnahme der Artenvielfalt aufgehalten werden konnte. Bei den Kontrollbetrieben, die nicht am ESA-Programm teilnahmen, wurde ein leichter Rückgang der Artenvielfalt festgestellt. Insbesondere gab es in den teilnehmenden Betrieben seltener als widerstandsfähig eingestufte Pflanzen, die auf eine geringe Artenvielfalt hindeuteten. Der Monitoring-Bericht kommt zu dem Schluß, daß drei Jahre zwar zuwenig sind, um eine biologische Veränderung festzustellen, aber ausreichen, um für die meisten Lebensräume die Wahrscheinlichkeit der Erhaltung der Artenvielfalt gegenüber den nicht teilnehmenden Betrieben aufzuzeigen. Bei den Heuwiesen wurde eine erhebliche Verbesserung beobachtet. 

Erhaltung von Landschaftsmerkmalen

Angesichts der Vielfalt und der regionalen Besonderheiten der europäischen Landschaft ist eine horizontale Anwendung von landschaftserhaltenden Maßnahmen nicht möglich. In Mitgliedstaaten, in denen Trockenmauern stehen, werden diese auf eine von Ort zu Ort unterschiedliche Art instandgehalten. Weitere Bereiche der Landschaftspflege sind Terrassen, Hecken, Nutzwälder, Erdhügel, Teiche und einzelne Bäume. Daneben finden sich in mehreren Programmen Maßnahmen zur Erhaltung kleiner und unregelmäßiger Feldflächen. Die wesentlichen Wirkungen dieser Maßnahmen beziehen sich auf die Pflege der Landschaft, eine größere Artenvielfalt und das Entstehen kleiner Biotope. Außerdem ist bei den arbeitsintensiven Tätigkeiten ein spürbarer Beschäftigungseffekt zu beobachten. 

Evaluierung und Programmentwicklung

Die Kommission und die Mitgliedstaaten legen großen Wert auf die Programm-Evaluierung und –entwicklung. In den fünf Jahren Laufzeit des Programmes, hat die Kommission weit mehr Programmänderungen (218) als neue Programme (133) genehmigt. Dies wird auf die komplexe Wechselwirkung zwischen Landwirtschaft und Umwelt, die Gegenstand der Programme ist, und auf die Notwendigkeit einer besseren Programmwirksamkeit zurückgeführt. In Tabelle 5 ist der Prozeß „Bewertung, Überarbeitung und Änderung" bestimmter Bestandteile des schwedischen Hauptprogramms dargestellt. Die ständige Weiterentwicklung der Programme in fast allen Mitgliedstaaten zeigt, daß ein flexibles Instrumentarium erforderlich ist, mit dem die Programme an die unterschiedlichen Umwelterfordernisse und Potentiale in der EU angepaßt werden können.

Angesichts der Komplexität biologischer Systeme und der unterschiedlichen Qualität diesbezüglicher Daten, bleibt die Klassifizierung und das Monitoring eine große Herausforderung in den meisten Mitgliedstaaten. Außerdem dürfte, bei Berücksichtigung der standortspezifischen Eigenschaften von Artenvielfalt und Landschaftswerten, eine direkte Gegenüberstellung von Programmen nicht zu einer aussagekräftigen Informationsbasis für Evaluierungen führen. Stattdessen könnte ein vielversprechender Ansatz darin bestehen, den spezifischen Wert von Artenvielfalt und Landschaften in ihrem Standortkontext zu beurteilen und entsprechend die geeignetsten Maßnahmen auszuwählen. Auf der europäischen Ebene sollten die Anstrengungen sich darauf richten, die Verbreitung erprobter Praktiken und den Austausch von Erfahrungen in bezug auf die Programmumsetzung und Evaluierungsmethoden zu befördern. In mehreren Mitgliedstaaten wurden beachtliche Anstrengungen auf diesem Gebiet unternommen. Zum Beispiel wurden in einem Forschungsprojekt alle landwirtschaftlich genutzten und nicht genutzten Habitate erfaßt. Insgesamt wurden 132 unterschiedliche Habitate kategorisiert und kartiert. Die Beschreibungen beziehen sich auf die Geomorphologie, Flora (Arten und Artenkonzentration), Landschaftselemente, Fauna und anderes 3. Wenngleich Beispiele für viele solcher Habitate auch außerhalb der Niederlanden in den Nachbarländern anzutreffen sein dürften, wird die Anwendung dieses einen Klassifizierungssystem nicht ohne weiteres außerhalb dieser erweiterten Region zu sinnvollen Resultaten führen. Indes wäre es denkbar, daß die methodischen Grundlagen auf ganz Europa anwendbar sind, weshalb Arbeiten zur Identifizierung der Informationsvoraussetzungen der Agrarumweltpolitik in der gesamten EU angeregt werden sollten. Umfassende Anstrengungen zur Identifizierung von Habitaten und zur Erfassung von Daten könnten einen konsistenteren und breiteren Ansatz der Fortentwicklung und Evaluierung von Agrarumweltprogrammen ermöglichen. Dies könnte wiederum zu einer effektiveren und bedarfsgerechteren Umsetzung der den Agrarumweltprogrammen zugrundeliegenden Ziele im gesamten Gebiet der EU führen.


1 Das Dokument VI/7655/98 kann auf dem Internet über http://ec.europa.eu/agriculture/envir/programs abgerufen werden.
2 Liste mondiale d'alerte pour la diversité des animaux domestiques, 2e édition, Scherf (ed.), FAO, 1996, Roma.
3 Handbook nature objective types in the Netherlands", report by IKC, 1995


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